Babylonische
Sprachenverwirrung
Eine ganze
Philosophiegeschichte lang arbeiten nun schon Gelehrte verschiedenster
Bereiche daran, mittels Begriffen
und Definitionen, klare und unmissverständliche sprachliche
Ausdrucksformen
zu finden. Der Turmbau zu Babel war sicher nicht der Beginn der
Sprachenverwirrung
und der Missverständnisse, aber er wirft ein Licht auf das Problem
und
dessen verheerende Folgen.
Dieser Tage steht wieder der Erdflecken im Vordergrund, auf dem sich
einst das alte Babylon befand. Im Vor- und Umfeld des Irakkrieges
hört man von Friedensdemonstrationen und Friedensversammlungen,
die von einer seltenen Gedankeneinheit politisch eher links
angesiedelter Gruppen, Love-Parade Vertretern, christlichen Kirchen und
vielen anderen getragen werden. In der hohen Politik spricht man
neuerdings von „Regierungen
der Friedensachse“
und meint damit die Irak-Kriegsgegner Frankreich, Deutschland und
Russland.
Andererseits spricht man von einer „Koalition der Willigen“ und bezieht
sich
auf das Bündnis USA, Großbritannien und deren
Unterstützerländer.
Versucht man nun sich anhand der inhaltlichen Botschaft der hier
verwendeten Worte und Begriffe ein Bild zu machen, so fragt man sich,
was will denn die „Koalition der Willigen“ eigentlich? Wie kommt sie zu
dieser Bezeichnung? In der Interpretation der Demonstranten und
Friedensverkünder ist es klar: diese Koalition will den Krieg.
Bush und Blair und deren Verbündete sehen es naturgemäß
ganz anders. Sie wollen, wie die anderen auch, den Frieden, nur ist
dieser aus ihrer Sicht erst möglich, wenn Saddam Hussein nicht
mehr an der Macht ist, und da dieser nicht freiwillig geht, muss er mit
Gewalt entfernt werden. Das bedeutet eben einen – hoffentlich
kurzzeitigen - Krieg.
Hört man aber Worte und Begriffe wie „Friedensachse“,
„Friedensdemonstration“ oder „Friedensversammlung“, denkt man
unweigerlich, dass es hier tatsächlich um den Frieden gehen muss,
dass also die Vertreter dieser Gruppen, Religionen und Nationen
wirklich wissen was Friede ist, wie er funktioniert, und dass sie
bereits auf eine gelungene Friedensgeschichte zurückblicken
können. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, dass sie sich
äußerst schwer tun ihre Friedenskompetenz praktisch zu
belegen. Wo finden wir eine herzeigbare Friedensgeschichte im
Kommunismus oder im Christentum? Und welch trügerischen Frieden
versucht uns die Freie Sex Bewegung a la Love Parade & Co.
vorzugaukeln, die sich mit allen Mitteln bemüht den
Familienzusammenbruch zu legitimieren, dauerhafte Ehe- und
Familiengemeinschaften zu untergraben und all die bitteren
Nachwirkungen betroffener Erwachsener und Kinder – Bruchstücke
zerfallener Familien - als unvermeidlichen Preis für Frieden und
Freiheit herunterzuspielen?
Mit welcher Berechtigung sehen sie sich eigentlich als Vertreter oder
Beschützer des Friedens – welchen Friedens? Genau genommen
protestieren sie nämlich nicht für den Frieden –
dazu liegt wenig Kompetenz vor - sondern gegen den Krieg, was
ein haushoher Unterschied (und sehr viel leichter) ist. Das
Grundprinzip des dialektischen Materialismus, das von einem ganzen
Flügel der Kriegsgegner vertreten wird, geht sogar davon aus, dass
jede „These“ automatisch eine „Antithese“ hervorbringt, die zur These
in grundsätzlicher Opposition steht. Es bleibt aber die
Erklärung schuldig, wie These und Antithese jemals dauerhaften
Frieden und Harmonie hervorzubringen vermögen.
Die aufeinanderprallende Kraft der Schlag-worte“ – der Krieg der
Begriffe - hat mit einer Sprengkraft die Welt zu spalten eine neue
heiße Phase erreicht. Viele lassen sich nur allzu leicht
täuschen und glauben sich auf der Seite des Guten.
Babylon lässt grüßen.
Johann Stampf 8. April 2003