Wir besitzen aber auch ein unsichtbares - durch unsere physischen Sinne nicht wahrnehmbares Selbst, das ebenso wirklich ist wie unser Körper. Die Fähigkeit zu denken und zu planen, die Fähigkeit Schönheit, Freude, Geborgenheit, aber auch Einsamkeit, Ärger und Ängste zu erleben, unser Selbstwertgefühl, unsere Durchsetzungskraft, die Fähigkeit bewußte Entscheidungen zu treffen und vieles andere mehr, geben uns Einblick in unsere Innenwelt und lassen deren Bedeutung erahnen.
Was wäre aber das Leben, hätten wir nicht auch noch ziel- und zweckorientierte Sehnsüchte und vor allem die Fähigkeit zu lieben? Erst diese ermöglichen eine Entwicklung und helfen uns die Strecke zurückzulegen, die zwischen dem momentanen Standort und einem angestrebten Ziel liegt.
In unserer Beschäftigung mit der Kreativität des Menschen, können wir daher von drei Ebenen ausgehen.
1. Die Körperebene, die auch den Gebrauch unserer fünf Sinne miteinschließt.
2. Die Ebene, wo Verstand, Gefühl und Wille sowohl einzeln, als auch als schöpferische Einheit wirken.
3. Die innerste, die Sinngebungsebene - die Welt der inneren Werte, Motivationen, ziel-und zweckgerichteten Sehnsüchte und vor allem die Fähigkeit zu lieben und dauerhafte Beziehungen aufzubauen.
Die Sinngebungsebene ist den anderen beiden Ebenen übergeordnet. Sie gibt ihnen Zweckbindung und Ausrichtung. Die Lebenseinstellung, die Wertvorstellungen, die Motivationen und Zielsetzungen eines Menschen bestimmen weitgehend die Ausrichtung von Verstand, Gefühl und Willen, und lenken somit auch unser Tun. (Abb. 1)
Wer sich in die Richtung eines Zieles oder einer Wertvorstellung bewegt oder anders gesagt, wer sowohl die Körperebene als auch Gefühl, Verstand und Willen auf einen gemeinsamen höheren Zweck (Sinngebungsebene) ausrichtet, dem geht es ähnlich wie einem Radfahrer, bei dem sich durch die zielgerichtete Vorwärtsbewegung der Zustand der "Balance" einstellt. Stoppt diese Vorwärtsbewegung, muß der Radfahrer auf einer der beiden Seiten absteigen und der Balancezustand löst sich wieder auf. Auf das Beispiel mit den drei Ebenen übertragen bedeutet dies, daß ohne Ausrichtung auf die Sinngebungsebene, welche die Vorwärtsbewegung erst ermöglicht, das innere Gleichgewicht zwischen der Körperebene einerseits und dem Wirken von Verstand, Gefühl und Willen andererseits, nicht zustande kommen kann.
Die drei Ebenen bilden im Menschen natürlich eine unzertrennliche Einheit. Man kann daher nicht eine von ihnen einfach abschalten oder wegnehmen. Man kann aber sehr wohl eine der drei Ebenen den anderen unter- oder überordnen. Durch das Abweichen von der natürlichen Ordnung, welche die Sinngebungsebene über die beiden anderen stellt, entstehen widernatürliche Ausrichtungsverhältnisse. Diese bewirken, daß sich die Sinngebungsebene, die von Natur aus den beiden anderen übergeordnet ist, unterordnen muß. Das verbindende Element der Balance, das Gleichgewicht, das nur durch die richtige Ausrichtung entsteht, kann sich unter diesen Umständen nicht bilden.
Sie vermögen die Sinngebungsebene derart mit ihren Wünschen
und Begierden zu füllen, daß man die körperlichen Bedürfnisse,
Sehnsüchte und Begierden langfristig für das Wesentlichste und
Erstrebenswerteste im Leben hält. (Abb. 2)
So ist es möglich, die Position der Körperebene über die der Sinngebungsebene zu stellen. Mit den schnellwechselnden Werten des Zeitgeistes im Vordergrund, sind solche Leute allerdings leicht beeinflußbar, leicht abhängig zu machen und leicht dirigierbar. Sie werden zu Mitläufern und ihre Kreativität beschränkt sich auf das Erreichen rein körperbezogener Ziele.
Andererseits gibt es viele Personen, die sich in erster Linie ihrem
Denken, Fühlen und/oder Wollen verpflichtet fühlen. Solche Menschen
laufen Gefahr, sich in irgendwelchen losgelösten Gedankengebäuden
zu verlieren, sich Gefühlsverwirrungen auszuliefern oder sich, mangels
nötigen Weitblicks, kurzsichtigen Werten zu verschreiben. Einseitige
Denksysteme, Sympathien und/oder die Sehnsucht nach Einfluß und Macht,
können die Position der Sinngebungsebene erobern und diese, mit dem
ihnen zustehenden Platz im Gesamten austauschen. (Abb3)
Nur wer bereit ist die Fähigkeiten und Errungenschaften sowohl seiner Körperebene als auch seines Denkens, Fühlens und Wollens als Teil eines größeren Ganzen zu sehen, wer bereit ist, das Wohl des Ganzen über die verschiedenen Egoismen zu stellen und wer seinem Denken, Fühlen und Handeln einen tieferen und weiterreichenden Sinn geben kann, erwirbt die Voraussetzungen für dauerhaftes Glück und ungetrübte Freude.
Erst wenn sich die drei Ebenen in natürlicher Ordnung im Zentrum
treffen, ist es möglich die Vorwärtsrichtung einzuschlagen (wie
beim Radfahrer), das heißt, der Zustand des Gleichgewichtes (der
inneren Ausgeglichenheit) kann sich erst unter dieser Voraussetzung einstellen.
(Abb. 1)
Beim Anhören von guter Musik, in einer gelungenen Meditation, oder, wie viele religiöse Menschen, in einem tiefen, vorurteilsfreien Gebet, kann man diesen Zustand erleben oder zumindest erahnen. Zweimal täglich jedoch überschreiten wir eine Schwelle, die uns den Eintritt in diese Sphäre zu öffnen vermag. Es sind dies die Übergänge vom Wachzustand in den Schlafzustand und umgekehrt.
Wer möchte, kann hier den Einschlafprozeß bewußt unterbrechen und eine sehr informative Innenschau beginnen. Meine Innenwelt - die Welt meiner Hoffnungen, meiner Motivationen, die Welt meiner Liebe und meiner echten Werte, sozusagen die verborgensten und persönlichsten Bereiche meiner Existenz tun sich auf. Hier kann ich die Ausrichtung meiner Gedanken, meiner Gefühle und meiner Entscheidungen, aber auch die Art und Weise wie ich meine fünf Sinne gebrauche und mein Tun lenke von der innersten, der Sinngebungsebene aus betrachten. Hier kann ich in meinem Denken, Fühlen, Wollen und Tun neue Schwerpunkte setzten. Das ist der Ort, wo ich in mir in höchstem Maße kreativ sein kann, indem ich die entsprechenden Entscheidungen treffe. Das ist die Werkstätte meiner Kreativität.
Beim Aufwachen kommt die Wahrnehmung von Zeit und Raum langsam wieder, und ich beginne den Körper zu spüren. Auch hier ist ein Einstieg in diese Sphäre möglich. Viele Menschen haben die Sehnsucht lange in diesem Dämmerzustand, den man auch als nachträumen bezeichnen kann, zu verweilen. Nicht immer wird dabei aber die Gelegenheit zu kreativer Innenarbeit genutzt.
Vorstellungen wie Abenddämmerung oder Feierabend verbreiten eine etwas geheimnisvolle Romantik. Abendlieder sind meist ruhiger gehalten, und eine gewisse Beschaulichkeit stellt sich ein. In der Großstadt scheint dieses Erleben nicht so stark zu sein wie auf dem Lande, wo man noch die Sonne untergehen sieht.
Für viele Morgenmenschen ist die Zeit um die Morgendämmerung die kreativste Zeit des Tages. Das täglich neue Staunen über das Erwachen der Natur und der eigenen Kräfte scheint auch auf dem Lande deutlicher erlebbar als in der Großstadt. Begriffe wie "Feierabend" oder "Morgenstund hat Gold im Mund" sind Ausdruck der Würde und des Wertes dieser Übergangszeiten.
Diese beiden Übergänge scheinen geeignet, ein Vordringen in die eigene kreative Mitte zu wagen. Mit einiger Übung und Erfahrung ist es jedoch möglich, diesen Zustand, wann immer gewünscht, herbeizuführen. Wichtig ist, man zieht seine Aufmerksamkeit vom Erfahrungsbereich der fünf Sinne, sowie der oben erwähnten körperlichen Bedürfnisse deutlich zurück. Dann durchschreitet man den intellektuellen Bereich, welcher zu einem großen Teil von unserer schulischen Ausbildung geprägt ist und tritt über die Welt der Gefühle in den innersten Bereich der persönlichkeitsprägendsten Erlebnisse ein. Die Welt meiner Beziehungen zu geliebten und weniger geliebten Mitmenschen, die Beziehung zu meiner Umgebung, meine Wertordnung, meine Hoffnungen und Ziele, Erfolge und Mißerfolge liegen offen da. Hier entscheide ich die Gesamtausrichtung meines Lebens.
Die Kraft der Vorstellung ermöglicht mir auch in mich zu gehen und in meine kreative Mitte vorzudringen. Sie läßt mich Blockaden erkennen und entfernen, unnötigen Ballast loslassen, ja selbst Traditionen und angelernte Denk-, Gefühls- und Entscheidungsmuster neu ordnen. Völlig neue Bereiche meiner Persönlichkeit erschließen sich meinem Bewußtsein. Dem Anfänger können die oben erwähnten Übergänge eine gute Einstieghilfe sein.
Einmal in dieser Mitte angelangt, kann ich mir die Vorbedingungen für den unermeßlich Reichtum an Entfaltungsmöglichkeiten, den mir meine Kreativität bietet, selbst schaffen. Durch Unantastbarkeit vor außenstehenden geschützt, wachsen Sicherheit und Selbstbewußtsein. Ich spüre, daß mit steigender Verantwortung und Erfahrung auch die Freiheiten zunehmen und Angst, Unsicherheit, Einschüchterung und Verzweiflung einfach in sich zusammenfallen.
Neue Welten im wahrsten Sinn des Wortes tun sich auf - Welten der Kreativität, der Freude und der Selbstverwirklichung. Innewohnende, bisweilen verborgene Talente und Fähigkeiten treten hervor. Sie werden zu Motivationen, Hoffnungen, Sehnsüchten, und durch den Einsatz unserer Kreativität zu konkreten Plänen und Neuschöpfungen (Verkörperungen). So schaffen wir Werte, die einerseits Bausteine des eigenen Vertrauens, der eigenen Sicherheit und des Selbstbewußtseins, andererseits eigenständige Schöpfungen von allgemeinem, praktischem oder künstlerischem Interesse darstellen.
Alle Bauwerke, Kunstobjekte, Werkzeuge, Kleidungsstücke, Einrichtungsgegenstände, Spiele, Lieder, jedes geschriebene Wort aber auch jede Staats,- Regierungs,- Betriebs- und Organisationsform und natürlich auch jedes Verbrechen und jede Zerstörung, beispielsweise die unserer Umwelt, sind Ausdruck der menschlichen Kreativität. So gesehen können wir sagen, daß auch ein Leben der Freude und Selbstverwirklichung, erst von dieser kreativen Mitte ausgehend seinen Anfang nimmt.
II. Die Unsicherheit über den wahren Wert meiner Person und der Glaube, daß andere viel begabter und berufener sind als ich - auch ein Vorurteil.
III. Mangel an einer klaren Ausrichtung. (Sinnkrise) "Das Ganze ist mehr, als die Summe seiner Teile". Ein Mähdrescher, wie er bei der Getreideernte verwendet wird, besitzt einen klaren Zweck. Er wird verwendet, um Getreidefelder abzuernten. Ohne Getreidefeld kann der Mähdrescher seinen Zweck nicht erfüllen und wird wertlos. Ähnlich ist es bei der Mühle, die das Korn zu Mehl mahlt. Selbst ein Auto hätte keine Existenzberechtigung, wenn es keine Strecke zurückzulegen gäbe. Jeder von uns hat ein Ziel und somit einen Weg zurückzulegen - seinen Lebensweg. Die Art und Weise wie ich diesen, meinen Lebensweg bisher gegangen bin, zeigt sich deutlich an den "Produkten" meiner Kreativität z.B. meine Ausbildung, meine heutige Stellung im Beruf oder in der Gesellschaft, mein Heim, meine Familie, meine künstlerischen Schöpfungen und vieles andere mehr. Hier kann ich ablesen, ob ich meinem Lebensziel mit meinem Lebensstil näher gekommen oder ob ich ins Hintertreffen geraten bin.
IV. Unklarheit über die Erschließung meiner Energiequellen. In unserer Welt zählt die Energiebeschaffung zu den wichtigsten Voraussetzungen für die moderne Wirtschaft. Ohne Energie ist unser Wirtschaftssystem nicht denkbar und der Lebensstandard nicht zu halten. Wir gewinnen Energie aus Wasser, Wind, Sonne, fossilen Energieträgern, ja selbst aus der Atomspaltung und transportieren diese über weite Strecken hin zu den Endabnehmern. So werden Geräte betrieben, Lichter entzündet, Wärmequellen aktiviert und vieles andere mehr. Der Stein der Weisen scheint auf diesem Gebiet noch nicht wirklich gefunden zu sein, da die sogenannten Nebenwirkungen teilweise noch sehr massiv zu Tage treten. Jede Salatpflanze, jede Tomatenstaude, jeder Baum, aber auch jeder Hase, jedes Pferd und jedes Reh, kurz gesagt alle Tiere und Pflanzen, haben in ausreichendem Maße, die Energie zur Verfügung, die sie zum Leben, Wachsen, für ihre Fortpflanzung und ihre Gesundheit brauchen. Auch alle Vorgänge in uns wie Atmung, Herzschlag, Bluterneuerung, Nervenversorgung, das Wachstum unserer Nägel und Haare, alles was sich in der Zelle abspielt bis hin zur Zellteilung, um nur einige Beispiele zu nennen, laufen selbständig und ohne unser bewußtes Zutun ab. Die Energieversorgung für diese unzähligen Vorgänge geschieht ohne schädliche Nebenwirkungen. Darüber hinaus, wird alles was von Tier und Pflanze nach deren Tod übrig bleibt, ohne schädliche Nebenwirkungen, über verschiedene Abbaustufen, wieder zur Erde zurückgeführt. Damit aber nicht genug - viele Lebewesen, beispielsweise die Pflanzen, wandeln sich selbst im Rückbauprozeß noch in wertvolle Energieträger, wie Kompost oder Humus um. Das bedeutet, sie kehren nicht ausgelaugt, sondern aufgewertet wieder zur Erde zurück. Bei ausgedienten, herkömmlichen Energieumwandlern wie z.B. bei Kraftwerken, Motoren, Maschinen u.s.w. ist das nicht immer so. Die Verwertung der Reststoffe bereitet uns noch einiges an Kopfzerbrechen.
I. Ein natürlicher, unbeirrbarer Glaube an ein bestimmtes Ziel - frei von Verbissenheit und Fanatismus,
II. die Erkenntnis, daß man zwar nichts herbeizwingen, wohl aber vieles herbeiführen kann, wenn man in Geduld die Verantwortung dafür übernimmt und
III. die Fähigkeit, all die streunenden Energien in uns zu bündeln und sie gezielt auf eine konkrete Sache auszurichten - ähnlich der Konzentration beim Lernen.
Dieser Mechanismus arbeitet grundsätzlich wertneutral, d.h. gute
wie zerstörerische Ziele lassen sich gleichermaßen damit verwirklichen.
Auch ein Bankräuber beispielsweise plant, wartet ab bis seine Zeit
gekommen ist und führt dann aus, was er sich vorgenommen hat.
Einem Anderen ist das zu wenig. Er spürt, daß er mehr tun könnte und müßte, hat aber seine Energiequelle dafür noch nicht erschlossen und sitzt gleichsam zwischen zwei Sesseln in einer krankmachenden Situation fest. Das eine ist ihm zu wenig, am Weg zum anderen geht ihm die Kraft aus.
Weiters gibt es Menschen, die anderen Mut zusprechen und sie trösten, da sie wissen, daß Verzweiflung selbstzerstörerische Elemente in sich hat.
Dann gibt es die vielen, die im Stillen dafür sorgen, daß in ihrer Umgebung Ausgeglichenheit, Zuversicht und Friede herrschen und somit wenig Platz für zerstörerische Elemente wie Haß, Zorn und Unüberlegtheit übrig bleibt.
Viele andere führt der Selbstfindungsprozeß in das Zentrum ihrer Kreativität - in ihre persönliche Kreativitätswerkstatt. Dort geht der Selbstfindungsprozeß in den Selbstverwirklichungsprozeß über. Die Quelle der eigenen Fähigkeiten, der eigenen Persönlichkeit und der persönlichen Einzigartigkeit, wird dann zur Quelle der Sicherheit und Freude, die uns die nötigen Wege öffnet und die Kraft gibt unbeirrt weiterzumachen. Es gilt hier das Potential unserer Kreativität nach und nach mit den uns innewohnenden Fähigkeiten zu verbinden. Dadurch ergibt sich ein Entwicklungsprozeß, der uns für größere Aufgaben heranreifen läßt.
Jemand, der erst das kleine Einmaleins übt und sich dort in Einzelheiten
gefangen sieht, weiß um die Möglichkeiten höherer Mathematik
noch nicht so recht Bescheid und jemand, der gerade lernt eine Linde von
einer Tanne zu unterscheiden, kann bestenfalls erahnen worauf es im ökologischen
Zusammenspiel ankommt. In ähnlicher Weise kann jemand, der mit der
Kleinarbeit der eigenen Selbstfindung beschäftigt ist, bestenfalls
erahnen was Selbstverwirklichung ist.
Ein qualifizierter Umgang mit unserem Körper einschließlich seiner fünf Sinne einerseits und unserem Denken, Fühlen und Wollen andererseits ermöglicht uns, höhere Ziele anzusteuern und großartigere Werke zu schaffen. All unser Wissen, unsere handwerklichen Fertigkeiten, auch unser Einfühlungsvermögen in ein Gegenüber oder in die Natur sowie unsere Willenskraft, sollten von der Ebene der Sinngebung ihre Ausrichtung bekommen. Dann sind Erfolg und Freude vorprogrammiert. Erfolg und Freude wiederum heben das persönliche Selbstvertrauen und sind eine reiche Energiequelle für weitere Unternehmungen und Ziele.
Jedes aus der Tiefe der innersten Überzeugung kommende "Ich kann!" oder "Ich werde!" hat bereits die Initial- und Richtungsenergie in sich, die benötigt wird, um mit einem konkreten Vorhaben zu beginnen. Wichtig ist, daß dieses "Ich kann!" oder "Ich werde!" nicht aus der Körperebene oder der Ebene unseres Denkens, Fühlens und Wollens, sondern aus der Souveränität der innersten, der Sinngebungsebene kommt. Die Energien zum weitermachen, wie die Aufbau- und Erhaltungsenergien, kommen im Austauschverfahren mit der Umgebung zustande.
So hat jeder von uns seine persönlichkeitsbestimmenden Charakterzüge bereits als Vorgabe, als "ruhende Initialenergie" bei seiner Entstehung mitbekommen. Welche von diesen Fähigkeiten vom Einzelnen sozusagen "gezündet" werden, hängt ganz davon ab, was für ihn wichtig ist, was er sinnvoll findet und was ihm machbar erscheint. Die Energien für die Durchführung holen wir uns dann im Austauschverfahren mit der Umgebung, beispielsweise durch essen und trinken, durch Atmung und Bewegung, durch den Einsatz unserer fünf Sinne, durch die Auseinandersetzung mit einem praktischen oder theoretischen Gegenüber, durch unsere zwischenmenschlichen Beziehungen usw.
Jeder von uns ist mit einer Vielzahl von Fähigkeiten ausgestattet. Man kann sogar sagen, es ist unser Lebenszweck diese unsere Fähigkeiten zu finden, damit zu arbeiten, sie durch Ausbildung und Erfahrung zu entfalten und mit der ihnen innewohnenden Energie Werke von unvergänglichem Wert zu schaffen. Das führt zu echter Selbstverwirklichung aus der kreativen Mitte heraus.
Dieses Muster könnte ein Vorbild auch für die Art unserer Kreativität sein. Mit einigem Erfindergeist sehen wir, daß dieses Kreislaufsystem auch unserem Umgang mit den Rohstoffen, den Bodenschätzen und der Bodenfruchtbarkeit zugrunde liegt. In der Tierhaltung und in der Pflanzenproduktion sollte dieselbe Grundregel beachtet werden. Selbst in unserem gesellschaftlichem Zusammenleben und in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen finden wir dasselbe Muster. So, wie Wasser und Luft, sind auch wir fähig, überall Leben zu spenden. Wir werden uns dabei nicht abnützen oder aufbrauchen, im Gegenteil, wir werden dadurch zunehmen an Wissen, Erfahrung und an Lebensweisheit.
Darüber hinaus kann dieses "Prinzip der sich schließenenden Kreisläufe" auch auf unseren Erkenntnisvorgang, auf unsere Gedanken und Ideen, ja selbst auf die Ideologien, die Mathematik, die Philosophie sowie auf die Natur - Wirtschafts - und Politikwissenschaften und die Künste, um nur einige wenige Beispiele hier anzuführen, angewandt werden.
Alle offenen, nicht wiederschließbaren Kreisläufe führen zu Problemen, die letztlich auf den unqualifizierten Einsatz unserer Kreativität zurückzuführen sind. Das Müllproblem, die Verschmutzung von Wasser und Luft, die Ausbeutung des Mutterbodens, aber auch die Innenweltverschmutzung des Menschen, ideologische und politische Irrwege sowie Kriege und Gewaltherrschaft sind nur einige Beispiele dafür. Angesichts dieser dramatischen Situation drängt sich einem das Bild vom Zauberlehrling auf, der es zwar verstanden hat einen Kreislauf zu öffnen, diesen aber nicht wieder schließen konnte.
Üblicherweise zeigen Vorgangsweise und Ergebnis die Art und die Entwicklungsstufe der Kreativität an. Ein Kleinkind ist auf andere Weise kreativ als ein Jugendlicher oder ein Erwachsener.
Unser Verstand kann analysieren, durchschauen, kombinieren und noch vieles mehr. Unser Gefühl beurteilt schön oder nicht schön, anziehend oder abstoßend und der Wille ermöglicht uns klare Entschlüsse zu fassen und durchzuhalten, bis ein angesteuertes Ziel erreicht ist.
Wenn es stimmt, daß alle Aktionen, die auf der Körperebene
und der Ebene unseres Denkens, Fühlens und Wollens stattfinden, erst
durch die Sinngebungsebene ihre Ausrichtung bekommen, dann hat das auch
enorme Auswirkungen auf den Einsatz unserer Kreativität. Auch sie
bekommt durch die persönliche Grundeinstellung, die Motivation und
besonders durch die Liebe erst ihre wichtigste Dimension.
Ob ich meine Arbeit liebe oder sie nur aus trockener Routine, vielleicht auch noch ungern mache, beeinflußt die Qualität meiner Kreativität entscheidend. Liebe, Interesse und Zuneigung (Hinwendung) ermöglichen erst tiefe und tiefste Erkenntnisse. Die Informationen, die, angeregt von dieser gebenden Liebe, von meinem Gegenüber wieder zu mir zurückkehren, kann ich durch meine Intuition "auffangen". Das so intuitiv Erfaßte, das ich anfangs oft noch schwer in Worte zu kleiden vermag, das noch keine konkrete Vorstellung in mir auslöst, sondern eher auf der Ebene der Ahnung steht, stellt gewöhnlich eine enorme Anregung und Inspiration dar. Diese Inspiration lenkt die Kreativität meines Verstandes, meines Gefühls und meines Willens. Der Verstand sucht Struktur und Plan zu ergründen, das Gefühl, lotet die emotionalen Dimensionen aus und der Wille gibt mir sowohl die Kraft Entscheidungen zu treffen als auch die Ausdauer, diese zu Ende zu führen. Das ist der Weg, auf dem die Erkenntnis an Tiefe gewinnen kann. Das Ergebnis der Arbeit mit diesem Gegenüber bleibt als Erfahrung (Erfolg oder Mißerfolg) in mir und prägt mich.
Erahnen, erkennen, verändern und neu zusammensetzen sind die wesentlichen Bausteine, um etwas neues zu schaffen. In unserem Fall, ist die Neuschöpfung ausgelöst von einer intuitiven Anregung, die ihrerseits wieder ein Resultat der liebenden Hinwendung zu einem Gegenüber ist. So schließt sich der Kreislauf, der durch neuerliche Hinwendung auf der nächsten Ebene wieder von vorne beginnen kann.
Wenn sich jemand mit Liebe beispielsweise der Mathematik oder der Musik zuwendet, öffnen sich ihm diese Bereiche in einer Weise, daß er in Tiefen vordringen kann, die einem anderen verborgen bleiben müssen. Ist es nicht auch so, daß sich bei einem Verliebten die Gedanken, Gefühle und Sehnsüchte, ja sogar die sinnliche Wahrnehmung und sein gesamtes Tun auf das geliebte Gegenüber ausrichten?
Der oben beschriebene Vorgang wiederholt sich dabei auf verschiedensten
Ebenen immer und immer wieder und läßt uns die schier grenzenlosen
Tiefen erahnen, die immer faszinierender werden, je tiefer man vordringt.
Der Reichtum an Erkenntnissen und Gestaltungsmöglichkeiten, der uns
durch unsere Kreativität offensteht, ist unermeßlich, und wir
können nur staunen über das wertvolle und großartige Geschenk
unserer Kreativität.
Die vielfältigen Formen der Gier (auch eine abartige Form der Liebe - man ist ja gierig auf etwas das man zumindest vermeintlicht liebt) finden ihre Erfüllung, indem man Mittel und Wege findet, diese Gier letztlich dennoch zu befriedigen. Viele Erscheinungsformen gestörter Liebe können in eine Sucht ausarten, die der Betroffene einfach über sich herrschen läßt, indem er sich diesen Mächten ohne großen Widerstand ausliefert. Dieses Ausgeliefertsein nagt am persönlichen Selbstwertgefühl, führt zu Unsicherheit, Zweifel, Verzweiflung und schließlich zur Selbstzerstörung, wenn dieser Kreislauf nicht rechtzeitig unterbrochen wird.
Es kommt in entscheidendem Maße auf die Art der Motivation und
der Liebe an, die wir investieren. Sie ist richtunggebend für unsere
Kreativität. Das, was wir uns selbst und geliebten Mitmenschen von
Herzen zum Geburtstag, zu Neujahr oder ähnlichen Anlässen wünschen,
wie Gesundheit, Glück, Wohlergehen, Lebensfreude, Frieden, Erfolg
und Harmonie..... spiegelt unsere ureigensten Sehnsüchte wieder. Wenn
wir beständige, ungetrübte Freude als Resultat unserer kreativen
Betätigung erhalten wollen, sollten wir diese Werte auf alle Ebenen
unseres Tuns übertragen.
Nach der Klärung dieser Fragen kann ich meine Kreativität auf mein Ziel (Gegenüber) ausrichten, indem ich mich ihm aufrichtig zuwende und durch die Intuition, Stück für Stück, erfahre, welches der nächste Schritt ist. Mit einiger Erfahrung werde ich lernen, wie ich diesen Schritt mit Überzeugung und dem guten Gefühl der Sicherheit gehen kann.
Alle Energien, die ich brauche, werden mir zur Verfügung gestellt. Ich brauche sie nur zu bündeln, um sie gezielt einsetzen zu können. Auch ein Kraftwerk "erzeugt" keine Energie aus dem Nichts, es wandelt nur vorhandenes Potential entsprechend um. Der verantwortungsbewußte Umgang mit meiner Kreativität ist entscheidend für die Zukunft.
Unsere Kreativität stellt ein enormes Potential in uns dar, welches
uns befähigt, unsere Gedanken und Gefühle sowie unsere willentlich
herbeigeführten Entschlüsse und Entscheidungen zu beleben und
großartige Taten zu setzten. Von Motivation und Liebe befruchtet,
werden diese Gedanken, Gefühle und Entschlüsse einem lebentragenden
Samenkorn ähnlich, das die fertige Pflanze in allen Einzelheiten (Farbe,
Größe, Form u.s.w.) bereits in sich trägt.
Es gilt, wie in der Landwirtschaft, den Boden vorzubereiten, zu geeigneter
Zeit zu säen und die Saat weiterhin mit Licht, Luft, Wärme, Wasser
und Nahrung zu versorgen, um schließlich die Früchte ernten
zu können. Der Glaube an diese Ideen spielt dabei eine ebenso wichtige
Rolle wie die Ausdauer, Geduld und Hingabe bis die Früchte heranreifen.
Jeder von uns umgibt sich sozusagen mit einem Garten seiner belebten Gedanken, Gefühle und willentlichen Entscheidungen, den er mit mehr oder weniger Sorgfalt hegt und pflegt und der auch unweigerlich seine Früchte bringt. So wie sich der beste Same nur bei bester Pflege zu einer gesunden Pflanze mit wertvollen Früchten entwickelt, so zeugen auch Garten und Frucht sowohl von der Qualität der Samen als auch von der Qualität der Sorgfalt und Pflege, die ihnen zuteil wird.
Es ist also durchaus nicht gleichgültig wie wir mit unseren Ideen, Gedanken, Gefühlen und unserer Fähigkeit Entschlüsse zu fassen umgehen. Wir selbst sind es, die bestimmen, welche Wünsche wir in "lebentragende Samenkörner" umwandeln, welche wir durch den Raster der Vorurteile fallen lassen, indem wir von vornherein sagen "das geht nicht" und welche wir durch Einschüchterung von Außen verwerfen oder verkümmern lassen.
Jeder Same, der gesät und gepflegt wird, bringt seine Frucht. Edle wie grausame Gedanken, Gefühle und Entscheidungen bringen ihre jeweiligen Früchte. Alle ungesäten Samenkörner erinnern uns daran, was wir hätten tun sollen, und alle schlecht gepflegten und verkümmerten Gewächse in unserem Garten der belebten Gedanken, Gefühle und Entscheidungen, nagen an unserem Selbstwertgefühl und lassen uns an unseren Fähigkeiten zweifeln.
Durch die uns innewohnende Kraft der Kreativität haben wir aber jederzeit die Möglichkeit aus unserer kreativen Mitte heraus neue, höhere Ziele und Werte zu setzen und diese zu verwirklichen. Vieles was streckenweise unmöglich scheint wird möglich, wenn wir alle Vorurteile über Bord werfen, die uns behindern und gute Ideen, Gedanken, Gefühle und Entscheidungen mit Liebe, einer guten Motivation und Hingabe beleben und so beständige Werte schaffen.
Mit unserer Kreativität, tragen wir das Verwirklichungspotential aller erstrebenswerten Ideale, auch jener, die wir schon längst als unerreichbar an einem ganz besonderen Platz, den nur wir selbst kennen, sozusagen unter "schön wär's!" abgelegt haben, in uns. Wissenschafter sagen uns, daß wir bei weitem nicht unser gesamtes kreatives Potential nutzen, und daß noch große Bereiche in uns brachliegen. Das kann der einzelne ändern, indem er die Werkstätte seiner Kreativität - seine kreative Mitte - findet und beginnt, wie das Wasser, überall Leben, Freude und Hoffnung zu spenden. Wie bereits gesagt, werden wir uns dabei nicht aufbrauchen und abnützen, sondern wir werden das tun und verwirklichen, was wir uns im Innersten unseres Herzens schon immer ersehnt haben und was wir in Wirklichkeit vom Leben erwarten.