III. Ein zermürbender Zwiespalt

 

1. Überall Probleme

Der heutige Mensch, geprägt von seiner Geschichte, befindet sich nach wie vor in einem riesigen Irrgarten, und er hat nur sehr vage Vorstellungen von seinem Ursprung, seinem Zweck und seinem Ziel. Daran hat auch das, was oft mit "Fortschritt" bezeichnet wird, nichts geändert. Im Gegenteil, viele technische, wirtschaftliche, wissenschaftliche, politische und weltanschauliche Ansichten unserer Zeit erscheinen nur deshalb so großartig, weil gerade diese essentiellen Fragen ausgeklammert werden. So stellt man gerne die Ursuppe, den Urknall, das Zufallsprinzip oder Ähnliches an den Anfang und vertraut die Weiterentwicklung getrost der Evolution an. Ursprung und Ziel des menschlichen Lebens sowie die Frage: warum sind wir hier und was sollen wir hier tun? bleiben weitgehend unberührt und auch unbeantwortet. Zwar versucht man diese Fragen innerhalb ganz kurzer, überblickbarer Zeiträume zu beantworten und erzielt damit sowohl in persönlichen und familiären, als auch in politischen und wirtschaftlichen Bereichen ganz akzeptabel erscheinende Erfolge, aber über Ursprung, Zweck und Ziel des Lebens und des Universums haben wir lediglich Vermutungen.

Nach welchen Richtlinien wir unser Leben gestalten und wie wir mit unseren Mitmenschen, den Pflanzen, den Tieren, unseren Ressourcen und der Umwelt schlechthin umgehen, zeigt deutlich, was uns wichtig ist. Natürlich läßt sich mit den fossilen Brennstoffen, die im Laufe von Jahrmillionen entstanden sind, ein imposantes Feuerwerk veranstalten. In all den Heizkesseln und Industrieanlagen, in den Motoren und überall, wo fossile Energie verbrannt wird, sprüht dieses Feuerwerk und verbreitet seine Faszination.

Angesichts der fatalen Auswirkungen auf unseren Lebensraum, der im wesentlichen aus Licht, Luft, einer gemäßigten Temperatur, Wasser, dem Boden auf dem wir leben und der unsere Nahrung hervorbringt besteht, wird das Erwachen aus dieser Faszination zu einem Alptraum. In den Nachrichten jagt eine Horrormeldung die andere. Wir müssen bereits beginnen uns vor dem zu fürchten, was unseren Lebensraum ausmacht. Das direkte Sonnenlicht ist zu einer Gefahr für die Haut geworden. In manchen Ballungszentren möchte man, ob der "dicken" Luft, am liebsten den Atem anhalten und erst wieder weiteratmen, wenn man wieder in einer natürlicheren Umgebung ist. Die Temperaturzonen unserer Erde verändern sich und das schmelzen der Eisberge könnte eine Anhebung des Wasserspiegels der Weltmeere zur Folge haben, was verheerende Auswirkungen auf die zahlreichen Küstenstädte haben würde. Das Trinkwasser ist eine Problematik für sich und der fruchtbare Mutterboden, der unsere Nahrung hervorbringt, ist in vielen Gebieten, der langjährigen egoistischen Ausbeutung zufolge, bereits dem kippen nahe.

Die Zahl derer, welche solche Aussagen als einseitige und wirklichkeitsfremde Schwarzmalerei abtun, ist stark im Sinken begriffen.

 

2. Fixpunkte ermöglichen eine Orientierung

Die Fragen nach Ursprung, Sinnhaftigkeit und Ziel unseres Daseins, das heißt das Woher, das Warum, und das Wohin, hat den Menschen schon immer beschäftigt. Sie sind aus unserer Geschichte nicht wegzudenken. Große Religionen brachten viele wertvolle Erkenntnisse und Antworten. Es ist jedoch bedeutend einfacher sich der Bequemlichkeit des Wohlstandes hinzugeben, als religiöse und moralische Werte hochzuhalten.

Die bedeutenden Religionen beschäftigen sich ganz besonders mit diesen Fragen nach Ursprung, Sinn, Zweck, und Ziel des Einzelnen, der Menschheit und der Schöpfung. Das zentralste Anliegen einer Religion ist die Frage: Wie sieht Gott, unser Schöpfer, sein Werk; was ist die Sicht des Schöpfers; was sind die Grundpfeiler seiner Kreativität und wie können wir uns als Herr über die Schöpfung qualifizieren? Welche Rolle spielen Liebe und Freude?

Es ist durchaus nicht absurd, solche Fragen zu stellen. Immerhin hantieren wir mit seiner Schöpfung und verändern sie teilweise sehr tiefgreifend, ohne ihren wirklichen Ursprung, ihren Zweck und ihren Sinn und daher auch ihr Ziel zu verstehen. Wir versuchen, aus der Natur eine Kultur zu machen. Das kann uns aber nur in dem Ausmaß gelingen, wie wir die Grundlagen der Natur verstehen.

In der Vielfältigkeit unserer Fähigkeiten und in den Gesetzmäßigkeiten der Natur ist uns ein Rahmen gesetzt, der uns ohnehin fast unendlich viele Freiräume öffnet, die wir gestalten können. Es ist jedoch nicht ratsam diesen Rahmen zu verlassen, da sich ansonsten unsere Aktivitäten auf zerstörerische Weise gegen uns selbst richten. Die Geschichte zeigt deutlich, wie in Haß, Neid, Eifersucht, egoistischem Streben nach Macht, Ausbeutung, Mißachtung der menschlichen Würde usf. der vorgegebene Rahmen immer wieder durchbrochen wurde.

Auch die Atomforschung, die Genforschung, die moderne Medizin, viele Errungenschaften der letzten Jahrhunderte, ja selbst traditionsreiche Religionen geraten, nach anfänglichen großen Erfolgen, zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik. Es zeigt sich, daß wir in all diesen Bereichen die Prinzipien, nach denen die Schöpfung gemacht wurde, noch nicht im erforderlichen Maß gefunden haben.

Man muß einen Schatz dort suchen wo er ist. Nicht nur die viele Arbeit bringt uns ans Ziel, sondern auch und in erster Linie, das gewußt wo. Wenn man natürlich, wie es beispielsweise oft in der Naturwissenschaft, der Wirtschaft, der Technik und der Politik gemacht wird, einen Schöpfer von vornherein ausschließt, wenn man das Bestehen des Universums, der Pflanzen, Tiere und Menschen bloß für einen unmotivierten Glückstreffer hält und wenn man alles lediglich als Produkt von Zufall und evolutionärer Entwicklung sieht, kommt man zu anderen Ergebnissen, als wenn man einen Schöpfer an den Beginn allen Daseins stellt. Die Fragen werden sehr unterschiedlich gestellt und so sind natürlich auch die Antworten verschieden. Die Naturwissenschaft stellt ihre Fragen an die Natur, d.h. an die Schöpfung selbst. Sie geht von dem aus, was man eindeutig mit den Sinnen wahrnehmen, messen, wägen oder irgendwie anders wissenschaftlich erforschen und reproduzieren kann. In der Religion stellt man die Fragen zusätzlich auch an Gott, d.h. an den Schöpfer.
 

Der Platz des Menschen im Ganzen

Eine weitere Frage, die uns alle beschäftigt, ist die, nach der Stellung des Menschen in der Schöpfung. Ist der Mensch lediglich ein Produkt der Evolution? Das würde heißen, daß unsere Vorfahren Tiere, Pflanzen, Mineralien, Energien u. dergl. sind. Wurden wir von vorne herein schon als "Kinder" des Schöpfers geplant? Sind der Kosmos und das Leben auf der Erde unsere Vorgeschichte oder bloß der Lebensraum für die wenigen Jahre unserer ewigen Existenz, die wir hier zubringen? Wenn der Mensch das Ebenbild, ja das Kind seines Schöpfers sein soll, der alles erdacht und erschaffen hat, warum nimmt er heute diese Position nicht ein? Was erdenken und erschaffen wir? Bringen wir Ordnung oder Unordnung in die Schöpfung? Haben wir uns als verantwortungsbewußte Erben qualifiziert? Was hindert uns, diese Position als Kind und Erbe des Schöpfers einzunehmen? Von diesem Erbe scheint nur noch die Sehnsucht vorhanden zu sein die sich darin ausdrückt alles beherrschen zu wollen. Die Qualifikationen stehen Angesichts unserer Taten aber noch weitgehend aus. Die Sehnsucht die Welt und den Kosmos zu erobern und zu beherrschen, war immer eine wesentliche Triebfeder in der menschlichen Geschichte. Allerdings kann der Mensch sicher nicht dauerhaft auf egoistische, zerstörerische und ausbeuterische Weise über alles herrschen, da das Resultat einer solchen Herrschaft eben Zerstörung und Ausbeutung sein muß.

Als Menschen haben wir nicht nur einen Intellekt, sondern auch ein Gefühl, einen eigenen Willen, die Kraft Entscheidungen zu treffen, eine Verantwortung und vor allem die Fähigkeit zu lieben und Beziehungen aufzubauen. In der Wirtschaft, in der Technik und auch in vielen Bereichen der Wissenschaften, sind Gefühle und Liebe keine verläßlichen Größen und haben daher dort praktisch keinen Platz. Andererseits ist es aber so, daß auch der Mensch selbst von solchen zerstörerischen Gedanken, Gefühlen und Sehnsüchten, von Haß, Eifersucht, Geiz, Neid, kurzlebigen Freuden und ähnlichem beeinflußt, ja oft sogar beherrscht und geplagt wird. Wir kommen nicht umhin uns zu fragen wo der Mensch das alles gelernt hat und wie dieser zermürbende Zwiespalt entstanden ist.
 

Werte verlangen nach verantwortungsbewußtem Umgang

Wir möchten das Gute und Richtige tun und sehen am Ende, daß es doch wieder nicht gut und richtig genug war. Wie viele kreative Leute sind mit Enthusiasmus und Freude an irgendwelche Forschungen herangegangen wie beispielsweise Justus von Liebig, auf dessen Entwicklungen unter anderem das Wissen über den Einsatz und die Wirkung von Mineraldüngern zurückgeht. Als dieser begeisterte Forscher aber sah, was profitgierige Menschen aus seinen Erkenntnissen machten, wollte er das Rad wieder zurückdrehen. Dies jedoch, war nicht mehr möglich. Er wollte der Menschheit etwas Wertvolles schenken, doch, alles Wertvolle erfordert einen qualifizierten Einsatz und Umgang, und gehört ausschließlich in verantwortungsvolle Hände.

Ebenso ist es mit unseren menschlichen Werten. Werte wie Freiheit und Herrschaft setzen bestimmte Qualifikationen und bestimmte moralische Ausrichtungen voraus. Wenn aber diese Werte mißbraucht werden haben sie die Eigenschaft, sich gegen uns zu richten. Die Folgen sind dann eben Unfreiheit und die Unfähigkeit qualifiziert zu herrschen.

Weiters bedrängt uns noch die Frage: warum macht der Mensch das Böse lieber als das Gute? Das Böse verbreitet eine eigenartige Faszination und übt eine oft unüberwindbare Anziehung auf uns aus. Es ist auch heute noch schwerer ein gutes Leben zu führen, als sich der Bequemlichkeit des Wohlstandes hinzugeben.

Tatsache ist, daß diese im Grunde unerwünschten Merkmale unserer Natur noch immer tief in jedem einzelnen verankert sind.

Wir wollen in unserem Leben erfolgreich sein und zumindest keine größeren Fehler machen, wir sehnen uns danach, unsere wahre Position als Kinder und Erben unseres Schöpfers wiederzuerlangen. Wir möchten die Welt beherrschen und wir wünschen uns, in einer Welt ohne Krieg und Ausbeutung zu leben. Viele haben das Vertrauen, dieses Ziel jemals erreichen zu können, bereits verloren, ja, es gibt auch Mitmenschen, die ein solches Ziel gar nicht erstrebenswert finden. In unserem innersten Herzen sehnen wir uns jedoch danach, in Frieden und Harmonie zu leben. Kriege beginnen nicht erst auf nationaler Ebene. Wir kennen sie auch in der Familie, der Gemeinde, in Betrieben, in den zwischenmenschlichen Beziehungen, ja, und von dort wollen wir gerne ablenken, in uns selbst.
 

Unerwünschte Gewohnheiten ändern

Jeder, der einmal versucht hat eine seiner, von ihm selbst als schlecht oder schädlich erkannten Gewohnheiten wie z. B. das Rauchen, übermäßigen Süßigkeitskonsum, Alkohol, Neid oder Eifersucht abzulegen, weiß, wie verwurzelt diese sein können. Als Gewohnheit sind Sie allgegenwärtig im Denken, Fühlen und Wollen. In den Sehnsüchten und im Tun fordern sie unerbittlich ihr "Recht". Für den Betroffenen ist es oft sehr schwer, all diese fehlgeleiteten Energien wieder zu sammeln und neu auszurichten. Weiters wird deutlich, wieviel Anstrengung und Ausdauer es erfordert um siegreich zu sein. Es gibt aber ein Mittel, die Anstrengungen und den Zeitaufwand drastisch zu verringern, nämlich eine klare, tief empfundene Entscheidung, ein Entschluß, mit dem ich mich mit meinem ganzen Wesen vollkommen identifizieren kann.

Es genügt nicht, wenn die Basis dieses Entschlusses eine mit dem Intellekt erkannte Notwendigkeit ist. Es ist auch zuwenig, wenn nur die emotionalen Ebenen meines Wesens diesen Entschluß herbeiführen. Auch der Wille allein, sei er noch so stark, ist dazu nicht in der Lage. Der Entschluß muß aus der Tiefe meines Herzens kommen. Nur von dort motiviert ist er fähig, Gefühl, Verstand, Willen und Tun in eine einheitliche Richtung zu lenken.

Dieser Entschluß ist sozusagen das erste ernst zu nehmende kreative Element, das zum Richtwert für die gesamte nachfolgende Kreativität in meinem Denken, Fühlen, Wollen und Tun wird.

Der Umgang mit meinen Gewohnheiten zeigt mir deutlich, wo ich mich auf dem Weg meiner Entwicklung befinde. Jedes bereits vorgeformte "Das geht nicht, das kann ich nicht, dazu bin ich schon zu alt, es wäre zwar schön aber es ist eine Illusion..." zeigt nur auf, was mir als Rechtfertigung genügt und wie leicht ich mich zufriedenstellen lasse. Ich brauche diese Zufriedenstellung, um mein Gewissen zu beruhigen und meinen Lebenswandel gutzuheißen.

Ich glaube, jeder von uns möchte einen wertvollen Beitrag in seiner Familie und seiner Gesellschaft leisten, wertvolle Dinge schaffen und ungetrübte, dauerhafte Freude erleben, ohne Krieg und Zerstörung. Mit Haß, Eifersucht und Egoismus, lassen sich diese Ziele sicherlich nicht verwirklichen. Vielleicht ist es tatsächlich an der Zeit, nach der Sicht unseres Schöpfers zu suchen. Möglicherweise haben wir bis heute an der falschen Stelle, nach den echten Antworten gesucht und sind deshalb nicht fündig geworden.

Jeder der ehrlich und ausdauernd sucht, findet umfassende Antworten auf seine Fragen.

Auf intellektuelle Fragen gibt es intellektuelle Antworten. Auf emotionale Bedürfnisse gibt es emotionale Antworten und auf die Sehnsucht unseres Herzens gibt es auch die entsprechenden Antworten. Am meisten hindern uns die bereits vorgefaßten Meinungen, die das was möglich ist sehr begrenzen und einengen können.
 

Unterschiedliche Arten der Herrschaft

In unserer Kultur lernen wir mit dem Verstand zu fragen und erwarten logische Antworten. Wir suchen nach Folgerichtigkeit und Struktur. Die Erforschung der Natur, des Menschen und der Geschichte nach diesen Gesichtspunkten, hat uns viele wertvolle Erkenntnisse und ein bequemeres Leben gebracht. Sie scheint aber dazu geführt zu haben, die emotionalen, die ethisch-moralischen und insbesondere die herzensmäßigen Qualitäten, zu vernachlässigen.

In unserer Nahrungsmittelindustrie werden beispielsweise Pflanzen und Tiere als "Ware" produziert und auch dementsprechend behandelt. Ausschlaggebend ist allein der Marktwert. Dieser wird obendrein noch sehr stark von der Werbung manipuliert, die unter gegebenen Umständen sogar fähig ist das natürliche Gesetz von Angebot und Nachfrage ad absurdum zu führen. Jedem, der Tiere als Lebewesen betrachtet, muß die Art und Weise wie beispielsweise Hühner, Rinder und Schweine "produziert" werden und was sie oft auf dem Weg bis zum Schlachthof durchstehen müssen, weh tun. Dieses Vorgehen ist zwar, so wird zumindest gerne behauptet, wirtschaftlich gerechtfertigt, aber dennoch eines qualifizierten Herrschers unwürdig. Herrschaft bedeutet nicht schonungslose Machtentfaltung durch Unterdrückung und Ausbeutung, vielmehr hat Herrschaft etwas mit Qualifikation zu tun. Wenn ein Geiger sein Instrument "beherrscht", so übt er nicht eine ausbeuterische, zerstörerische Macht über seine Geige aus, sondern er hat gelernt, sie ihrem Zweck entsprechend zu verwenden und auf ihr ansprechende, wohlklingende Musik zu spielen. Hier kommt es zu einer gegenseitigen Aufwertung von Geiger und Geige, ja, es entsteht eine Form der Abhängigkeit, die nicht als einengend sondern als wertsteigernd und befreiend empfunden wird. Selbst der beste Geiger kann ohne Instrument nicht spielen. Im Gegenzug benötigt auch die wertvollste Violine einen Spieler, der sie schätzt und "beherrscht". Erst in dieser Einheit und Abhängigkeit, kommt die gegenseitige Aufwertung zustande. Auf diese Weise, werden neue Werte, mit Hilfe der Kreativität geschaffen.

Die Art, wie wir oft mit unseren Mitmenschen, den Tieren und Pflanzen, den Rohstoffen, dem Wasser, der Luft, dem Boden u.s.w. umgehen, mag zwar wirtschaftlich, zumindest für eine Zeit lang, gerechtfertigt erscheinen, jedoch aus emotionaler, ethisch-moralischer und herzensmäßiger Sicht, ist sie ein Verbrechen. Wenn man sich auf die wirtschaftliche Logik allein stützt, läßt man vielleicht in Wirklichkeit Wesentliches außer Acht.

Auf ehrliche, offene Fragen, bekommen wir in der Regel ehrliche, offene Antworten, die allerdings nur von einem ehrlichen, offenen Fragesteller zur Gänze begriffen werden können.
 

3. Ein weit verbreiteter Irrtum

Ein weit verbreiteter Irrtum beruht darauf, daß wir manchmal glauben, auf emotionale, ethisch-moralische und herzensmäßige Fragen gibt es nur verstandesmäßige Antworten.

So, wie der Verstand intellektuelle Fragen stellt und logische Antworten erwartet, darf auch das Gefühl seine emotionalen Fragen stellen. Die entsprechenden Antworten sind aber ihrem Wesen nach an das Gefühl, nicht an den Verstand gerichtet.

Ebenso ist es in unserem Streben nach dem Guten in der Welt und in uns selbst natürlich, ethisch-moralische Fragen zu stellen. Die Antworten auf diese Fragen können nur von unserem Willen als Entschluß- und Entscheidungsträger so begriffen werden, wie sie gemeint sind. Eine Antwort lediglich als richtig, logisch oder schön zu finden genügt nicht, es muß auch der entsprechende Entschluß oder die dazugehörende Entscheidung folgen.

Selbstverständlich stellt auch unser Herz, unsere tiefste und innerste Instanz tagtäglich wichtige Fragen nach dem Wert, dem Zweck, dem Motiv, dem Sinn unseres Daseins und nach dem Wesen der Liebe, des Lebens und der Beziehungen. Wir bekommen auch hier unsere Antworten, nur sind diese an das offene Herz und nicht an den wißbegierigen, faktensammelnden Verstand adressiert.

 

4. Herrschaft in Liebe

Jemand hat einmal gesagt: "Das unlogischste Wesen auf dieser Welt ist eine Mutter", und tatsächlich, vieles, von dem was wir sonst gerne so hoch halten, erfährt in der Mutterliebe eine regelrechte Abfuhr. Eine Mutter, in der Beziehung zu ihrem Kind, denkt nicht in wirtschaftlichen Profitprinzipien. Sie liebt ihr Baby und schenkt ihm Zeit und Zuwendung. Sie ist darauf angewiesen, ihrem Baby, das noch nicht sprechen kann, jeden Wunsch aus den Augen, aus dem Gesicht und aus dem Verhalten abzulesen und sie heilt, ja sie verhindert viele Krankheiten einfach durch Liebe und Zuwendung. Sie weiß, daß Einsamkeit und Unverstandensein zu den gefährlichsten Krankheitserregern für ihr Kind zählen.

Auch die Prinzipien der Gerechtigkeit sehen ganz anders aus, wenn sie durch die Mutterliebe gehen. Mitgefühl, Verständnis, Vergeben und Verzeihen gewinnen einen hohen Wert und Rachegefühle sowie kalte, erstarrte "Gerechtigkeit" werden von der Mutterliebe umgewandelt in wertvolle Beziehungen. Diese Beziehungen bilden eine tragfähige Struktur der Geborgenheit und Nestwärme, der Zuversicht und des Selbstvertrauens, des tief verankerten Verständnisses für Frieden und Harmonie. Sie geben uns die Kraft, selbst dieser brutalen, von Zwietracht und Kriegen erschütterten Welt ins Auge zu sehen und ihr innerlich zu sagen: "auch du findest deinen Frieden und die Erfüllung deiner Träume erst in der Geborgenheit der Liebe".
 

Eltern, die Träger des Lebens

Ist es nicht so, daß alles Leben auf dieser Welt über Eltern weiter gegeben wird? Nicht nur Menschen, auch Pflanzen und Tiere haben Eltern. Vom Menschen weiß man heute, daß das elterliche Herz, die Elternliebe, das Elternhaus und dessen Umfeld uns ganz entscheidend prägen und uns nachhaltig beeinflussen. Es ist ein Grundprinzip, daß Vermehrung und Elternschaft ganz eng miteinander verbunden sind. Nur in der Eltern - Kind Beziehung kann sich unser Herz und somit auch unsere Liebesfähigkeit entwickeln. Das Geborgensein in dieser Liebe kann all die gestaute, fehlgelenkte, oft in Richtung Zerstörung gesteuerte Energie bremsen, stoppen und schließlich umlenken in eine positive, aufbauende Richtung.

In der Geborgenheit dieser Liebe werden wir fähig, uns, von dem was uns bedrückt, zu befreien. In der Freiheit dieser Liebe erkennen wir unsere Verantwortung für die Zukunft. Wir empfinden diese nicht, wie so oft bei der Verantwortung, als Last, sondern als Möglichkeit zu wachsen, um so, durch noch mehr Verantwortung, noch größere Freiheiten zu erlangen. Im Grunde genommen sehnen wir uns nach dieser Art von Freiheit, die auf einer soliden Basis von Verantwortung und Qualifikation gewachsen ist. Das ist die einzige Freiheit die es möglich macht, wertvolles Wissen nicht zweckentfremdend zu mißbrauchen.- einer der großen Fehler, die in der Geschichte immer wieder gemacht wurde. Große Entdeckungen und Erfindungen werden, in den Händen von nichtqualifizierten oder gar böswillig motivierten Personen, oft zu gefährlichen, zerstörerischen Waffen die meist als sehr geschickte Machtmittel eingesetzt wurden.
 

Hat das Universum auch Eltern?

Um die Schöpfung und die Position des Menschen darin tiefer zu verstehen kann es sehr hilfreich sein, wenn wir uns einen Schöpfer, motiviert von dieser Elternliebe, vorstellen. Unser Schöpfer wäre dann sozusagen Vater und Mutter (Eltern) und die Motivation für alles was geschaffen ist, wäre Liebe, Harmonie und Freude. Wenn das der Fall ist, müssen Liebe, Harmonie und Begeisterung, als Ausdruck der Freude, überall in der Schöpfung wiederzuentdecken sein. Natürlich hat alles in der Schöpfung auch Logik und Struktur, aber diese sind nur die tragenden Säulen auf denen Harmonie, Friede, Freude, Erfolg, Vertrauen und Liebe gedeihen können.

Versuchen wir einmal in Ruhe darauf zu achten, wieviel Liebe, Freude, Harmonie und Faszination wir in einem Blatt, einer Knospe, einer Blüte, einem drolligen Bär oder einer anschmiegsamen Katze finden können! Ebenso ist eine Landschaft, die laue Sommerluft oder der Sternenhimmel fähig, unser Herz in Begeisterung und Staunen zu versetzen. Falls es uns schwer fallen sollte, diese Freude und Begeisterung zu erleben, brauchen wir nur ein kleines Kind zu beobachten wenn der erste Schnee fällt oder wenn es beim Spaziergang im Wald ein Eichkätzchen sieht. Selbst eine Regenpfütze übt eine unwiderstehliche Faszination aus und was gibt es schöneres, als im Schlamm zu spielen und darin herumzukneten? Wenn wir es nicht bewußt verhindern, können wir die Liebe, die Freude und die Motivation, in jedem Detail der Schöpfung als Faszination erleben oder zumindest erahnen. Unser Enthusiasmus, unsere Dankbarkeit, unser Staunen, unsere Empfindungen und unser gesamtes Lebensgefühl wird davon mindestens ebenso angesprochen wie unser Intellekt.
 

Auf der Suche nach dem Plan

Es ist sicher sinnvoll, mit unserem Verstand nach der Logik in der Struktur und in den Zusammenhängen zu suchen. Aus welchem vernünftigen Grund, sollte auch hinter den Milliarden und Abermilliarden von Einzelheiten und Systemen, die in ihrer Summe letztlich das Universum ergeben, kein Plan stehen? Trotz des enormen Wissens, das uns zurecht mit großem Stolz erfüllt, können wir nach wie vor viele Dinge nur bestaunen. Die Tatsache, daß diesen Plan bis dato noch niemand gesehen hat läßt aber nicht den Schluß zu, daß es diesen Plan nicht geben kann. Es gibt so viele geheimnisumwitterte Schöpfungen des Menschen wie die verschiedenen Weltwunder und vieles andere. Dennoch kommt niemand auf die Idee anzunehmen, daß deren Erbauer oder deren Urheber einfach planlos drauflos arbeiteten und durch puren Zufall diese großartigen Werke hervorbrachten.

Ein Plan, mag auf einem Blatt Papier oder anderswo seinen ersten "beweisbaren" Ausdruck finden, aber er entsteht gewöhnlich nicht dort. Dieser nachweisbare Ausdruck hat bereits eine Vorgeschichte. Ein Plan hat seinen Ursprung in einem Motiv, einer Zielsetzung, einer als wertvoll empfundenen Zweckmäßigkeit, einer inneren, noch vormateriellen Sehnsucht, einer Hypothese oder auch nur einer Ahnung oder einer Annahme. Gezeichnete Pläne sind bereits der erste materielle (sichtbare) Ausdruck eines erfolgreich vorangegangenen Planungsaktes.

Vom Kosmos, von Pflanze, Tier und Mensch sind solche, vom Schöpfer gezeichnete Pläne bis heute nicht bekannt. Deswegen alles bloß für einen zufälligen, zwecklosen und unmotivierten Glückstreffer zu halten erscheint doch etwas vage. Immerhin haben wir, trotz jahrhundertelanger, durchaus erfolgreicher Forschung, noch genug übrig, das noch der Erforschung harrt. Nicht nur die nüchterne, intellektuelle Erforschung alles dessen was existiert ist wichtig, sondern auch die Erforschung der Natur des Gefühls das sich am Schönen orientiert und des Willens der nach dem Guten strebt. Noch wichtiger und zentraler scheint mir die Erforschung der Motivation und des Zwecks, als Ausgangspunkt und Ziel aller Existenz.

Die Schöpfung des Universums muß einen Sinn haben. Ein Kosmos, der uns soviel Faszination, Bewunderung und Staunen entlockt, kann nicht bloß aus einem chaotischen, absichtslosen Nichts kommen. Um das Leben, die Welt und den Kosmos in seiner Ganzheit zu erfassen, müßten wir die Forschungskompetenz, die bis heute weitgehend auf den Verstand beschränkt bleibt, auch auf das Gefühl und die Sehnsucht nach dem Guten, die von unserem Willen wahrgenommen wird, ausdehnen. Das würde zu einer echten Bereicherung der bis heute auf den Verstand fixierten Forschungsergebnisse führen.

Darüber hinaus, würde die Notwendigkeit einer übergeordneten Instanz klar hervortreten, die Gefühl, Verstand und Willen eine gemeinsame Richtung gibt. Diese Instanz, die weiter oben als Sinngebungsebene beschrieben wurde, ist die Heimat und der Ausgangspunkt von Liebe und Leben, Freude und Glück, Gesundheit, Wohlergehen und Erfolg. Sie ist der Ursprung des tief verwurzelten Vertrauens, daß jeder Mensch seine, ihm in die Wiege gelegten persönlichen Fähigkeiten und Talente zum eigenen Wohl, zum Wohl der Familie, der Gesellschaft und der Menschheit, zum Wohl der Umwelt und zum Wohl des Schöpfers entfalten und gebrauchen kann. Billigen wir unserem Gefühl, unserem Willen und unserem Herzen ihre rechtmäßigen Kompetenzen zu, so werden wir bald mit großer Freude umfassende Veränderungen in den Resultaten unserer Forschungen feststellen. Die Kälte, welche sich, durch die Überbewertung des nüchternen Verstandes, in viele Beziehungen und Erkenntnisse eingeschlichen hat wird einer frühlinghaften, lebenbringenden Wärme weichen. Diese entsteht überall dort, wo das Streben nach dem Schönen und Guten, neben der Suche nach dem Wahren, seinen fixen Platz hat und wo liebevolle Hinwendung am Anfang steht.