In zahlreichen Berichten und Kommentaren, die in jüngerer Zeit zum Thema Familie verfaßt werden, wird gelegentlich angedeutet, daß das klassische Familienbild, bestehend aus Vater - Mutter - Kind "in Bewegung" geraten sei. Es ist die Rede davon, daß sich der althergebrachte Familienbegriff im Umbruch befindet und noch niemand sagen kann, wo diese Entwicklung hinführen wird. Staat, Kirche und Arbeitswelt sind insbesondere mit dieser Thematik konfrontiert.
Angeregt von derartigen Ideen geriet auch meine Phantasie in Bewegung. Ich versuchte mir vorzustellen, wie sich die Evolution vom herkömmlichen Familienbild verabschiedet und sich einer neuen Form, wie der Mutter - Kind - Familie, der Vater - Kind - Familie oder der Oma - Enkelkind - Familie zuwendet. Möglicherweise steuert das alles neuen Familiensystemen zu wie: Kind mit zwei (lesbischen) Müttern, oder Kind mit zwei (homosexuellen) Vätern. Vielleicht sollte gar der Staat die Kindererziehung nach der Karenzzeit übernehmen, damit Vater und Mutter einer Arbeit nachgehen können, die auch von der Regierung erst geschaffen werden muß. Wer weiß?
Mich auf solche Vorstellungen einlassend war ich fast versucht zu glauben: ich werde noch zu Lebzeiten Zeuge eines evolutionär einschneidenden Ereignisses, das nur alle paar hundert Millionen Jahre einmal stattfindet. - Eine höchst Ehrfurcht gebietende Zeitperiode, die es uns vielleicht ermöglicht die "Evolution" hautnah bei ihrem Tun zu erleben und zu beobachten. Was für eine Gelegenheit?
Aber bleiben wir getrost auf dem Boden. Es ist zwar eine traurige Tatsache, daß viele Ehen in Brüche gehen. Es stimmt auch, daß, aufgrund dessen, ein weites Spektrum an "Not- und Ersatzfamilien" entstanden ist. Daß sich aber die Familie in diese Richtung "weiterentwickeln" kann ist schon biologisch sehr fragwürdig. Dazu wären von Mutter Natur umfangreichste Vorkehrungen zu treffen, von denen aber noch nirgends etwas zu bemerken ist.
Glücklicher Weise finden sich in unserer Zeit auch Strömungen, die in der zunehmenden Polarisierung von Familien und Notfamilien auch andere Gründe sehen. Besonders die Anregungen, die von der Familienföderation für Weltfrieden kommen, verdienen höchste Beachtung. Hier wird deutlich gesagt, daß die klassische Familienstruktur (Vater-Mutter-Kinder; Großeltern-Eltern-Kinder) im Grunde richtig ist; sowohl biologisch, weil so der natürliche Weg der Fortpflanzung ist, als auch geistig - moralisch, wo sie ganz klare Richtlinien anbietet.
"Es gibt zwei Arten von Menschen: Männer und Frauen", heißt es in der Gründungsansprache der Familienföderation für Weltfrieden. Einige Sätze vorher wird jedem nahegelegt, die Denkstrukturen der Vergangenheit neu zu überdenken. Wir sollten uns also in diesem Zusammenhang auch die Frage stellen: Gibt es Mängel im klassischen Familienbild und wenn ja, wo liegen sie? Bei genauerer Betrachtung stoßen wir hier, aus der Sicht der Familienföderation für Weltfrieden, auf vier schwerwiegende Schwachstellen.
1. Die unklare Rolle, die Gott, der Schöpfer, im Leben des heutigen Menschen spielt.
2. Die nach wie vor problematische Beziehung zwischen Mann und Frau; sowohl innerhalb der Familie, der Gesellschaft und des Arbeitsmarktes einerseits, als auch in der besonders wichtigen Frage nach der Rolle, die Gott in der sexuellen Beziehung zwischen Mann und Frau spielen möchte, andererseits.
3. Das Konfliktpotential in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern. (Generationskonflikt)
4. Die problematische Beziehung der Geschwister untereinander.
Woher kommen diese Schwachstellen und wie sind sie entstanden?
Für viele Leute ist der Bericht vom Sündenfall in der Bibel nicht mehr als ein Märchen aus längst vergangener Zeit. Aus dem Blickwinkel der Familienföderation betrachtet, wird jedoch ein deutlicher Bezug zur Geschichte und zur Gegenwart erkennbar. In diesem Bericht finden wir eine sehr lebensnahe und realistische Erklärung dafür, wie diese Schwachstellen entstanden sind.
Der Schöpfungsbericht zeigt, daß die erste Familie nicht von Gott allein geschaffen wurde. Die Familie ist sozusagen eine Co-Produktion von Gott und Mensch. Gottes Beitrag war es den ersten Mann und die erste Frau, als geschlechtliche Wesen zu schaffen. Die Geschlechtlichkeit ist eine der wichtigsten Vorbedingungen, um eine Familie errichten zu können. Die Worte: Und Gott sah, daß es sehr gut war (Gen. 1:31) lassen erkennen, daß Gott damit sehr zufrieden war. Diesen beiden Personen gab Gott den Auftrag, die erste Menschenfamilie zu errichten. Um sie vor ernstem Unheil zu bewahren warnte er sie, nicht vom Baum der Erkenntnis zu essen.... (Gen. 2:16) Hätten Adam und Eva diese Warnung befolgt, wäre ihnen der Verlust des Paradieses, und uns allen das sündige Erbe der Geschichte erspart geblieben.
Im Sündenfallbericht wird das, was Adam und Eva zum Entstehen der ersten Menschheitsfamilie beigetragen haben beschrieben. Die Geschichte berichtet vom Bruch der ersten Menschen mit Gott. Sie zeigt, wie durch den Ungehorsam ein Bereich notwendig wurde, der die neu entstandenen Gefühle der Scham und der Nacktheit beherbergt. Diese Gefühle wurden als höchst verbergenswert eingestuft. Sie berichtet weiters, wie der Umgang mit der von Gott ursprünglich als gut und wundervoll geschaffenen Sexualität, durch unqualifizierten, voreiligen Zugriff, zum Jahrtausendproblem werden konnte. Sie führt uns vor Augen, wie es unsere ersten Vorfahren fertigbrachten, das "schlechte Gewissen" zu schaffen. Dieses verursachte natürlich enormen innerlichen Aufruhr, weil es zur guten, gottgegebenen Natur des Menschen in krassem Widerspruch stand. Nur aus der Verwirrung dieses Aufruhrs heraus konnte die absurde Panikhandlung kommen, sich vor dem allwissenden Gott verstecken zu wollen. Natürlich war das nicht möglich. Als Gott Adam und Eva später nach dem Grund fragte, hatte Adam nichts besseres zu tun, als die Verantwortung für sein Handeln Eva anzulasten, anstatt zu seiner Tat zu stehen. Eva ihrerseits wiederholte Adams Reaktion und versuchte wie er das Unmögliche. Sie wollte sich vom eigenen Fehlverhalten befreien, indem sie kurzerhand der Schlange die Schuld zuwies. Schließlich paßte die verschmutzte Empfindungs- und Verhaltenswelt der ersten Menschen absolut nicht mehr in Gottes Paradies. Sie wurden hinausgejagt in eine Welt, die sich mit Dornen und Disteln, mit harter Arbeit und Schmerz gegen sie stellte. Der Zugang zum Paradies wurde verschlossen und bewacht. Die Vorstellung vom Paradies jedoch, blieb als unauslöschliche Sehnsucht, als Wunsch und als Hoffnung bis auf den heutigen Tag erhalten.
Unter solch zerrütteten Umständen wurden Adam und Eva zu Eltern. Innerlich zerrissen und fern von Gott entstand so die menschliche Urfamilie. Der darauffolgende Bericht von Kain und Abel beschreibt die Unfähigkeit der Eltern in dieser Familie, ihre Kinder zum Frieden zu erziehen. Das zeigt sich besonders in der vor-schnellen Bereitschaft von Kain, Probleme mit der Faust zu lösen.
Dieses schwere Familienerbe wurde seither von Generation zu Generation bis auf den heutigen Tag weitergegeben. Das in der Keimzelle der menschlichen Familie entstandene Zentralthema ist die schillernde Faszination der prickelnden, geheimnisumwobenen Welt der Sexualität in allen nur erdenklichen Formen und Nuancen. Dieses Thema prägte, wie kein anderes, die Sittengeschichte aller Kulturen und Völker bis auf den heutigen Tag. Besonders in der Zusammenbruchsphase von Kulturen trat es meist ungehemmt an die Oberfläche. Unterstützt und hochgehalten von seinen zerstörerischen Begleitern: Besitzgier, schnelle Befriedigung, Eifersucht, Abhängigkeit, Gewalt, Haß, Unterdrückung, Egoismus und wie sie alle heißen mögen, wurde dieses Thema, zum Thema Nummer 1 in der Menschheitsgeschichte. Nach wie vor beschäftigt es auf vielfältige Art und Weise unsere Gedanken, Gefühle, Sehnsüchte und Vorstellungen. Es liefert tagtäglich einen hohen Prozentsatz des Stoffes für die Medien. Ob Sie nun die Politik- oder die Wirtschaftsseiten, die Tagesberichterstattung oder den Anzeigenteil lesen, es ist immer wieder von der schillernden Faszination der Sexualität oder ihren fragwürdigen Begleitern die Rede. Selbst in der Forschung, der Werbung und besonders in den Künsten (Malerei, Literatur, Film, Musik...) ist es allgegenwärtig. Weiters ist die Parallele vom Brudermord in der ersten Familie zum Völker- und Rassenmord auf nationaler Ebene offensichtlich. Letztlich sind die Ursachen für all diese Zustände in den Schwachstellen zu suchen, die in der ersten Familie entstanden sind und bis heute nicht gelöst wurden.
Nach wie vor ist es für viele Zeitgenossen so, daß Ehe, Familie und Elternschaft etwas ist, was man entweder auf sich zukommen läßt oder wo man irgendwie "hineintappt". Über Sinn oder Unsinn dauerhafter Beziehungen wird unendlich viel diskutiert. Gelegentlich wird sogar versucht, beispielsweise den Seitensprung oder auch die Homosexualität als "genetisch vorprogrammiert" hinzustellen. Solche Erklärungen mögen dazu geeignet sein, das eigene Gewissen für den Moment zu beruhigen. Ungeachtet dessen jedoch bleiben die Folgen, mit denen wir leben müssen. Die Familie - ein Zwischenstadium mit einem höchst nebulosen Vorher und mit einem leiderfüllten Danach?
Um nichts weniger als den Auflösungsprozeß dieses Zustandes in Theorie und Praxis ins Rollen zu bringen und diese Schwachstellen auszumerzen, hat sich die Familienföderation für Weltfrieden als Ziel gesteckt. Ein beachtenswertes Vorhaben. Wer jedoch die Gründungsansprachen genau studiert, findet dort eine ganze Reihe wohlfundierter Erkenntnisse, die Vertrauen und Zuversicht aufkommen lassen. In ihrer verblüffenden Klarheit und Nachvollziehbarkeit gelangt diese Information bis hinein in die Tiefe des Herzens. Sie wird so dargelegt, daß sie weder an der Kompliziertheit des Verstandes, noch an der Verwirrtheit der Gefühle hängenbleibt. Es geht um Inhalte. Es geht um klare, beständige Werte, um die Reinigung von Beziehungen und die Fähigkeit, alle Kulturen und Rassen in diesen Prozeß einzubinden. Schließlich sind wir, trotz der Unterschiede in Kultur und Hautfarbe, Menschen, die sich nach Gesundheit, Glück und Wohlergehen, Lebensfreude, Frieden und Erfolg sehnen. Weiters lernen wir darin Wesentliches über den "gottgewollten Wert der Sexualität", sowie die Entflechtung ihrer oben erwähnten zerstörerischen "Begleiter". Immerhin ist Sexualität von entscheidender Bedeutung für das Entstehen einer Familie.
Somanche der Erkenntnisse übersteigen die gewagtesten Träume, die die Menschheit je zu träumen wagte. Sie machen auch vor den bestgehütetsten Tabus nicht Halt und bringen Klarheit in so problematische Angelegenheiten wie Liebe, Sexualität, und Beziehungen. Ein fast unglaubliches aber dennoch in höchstem Maße realistisches Modell, das man nicht mit einem einfachen "das geht sowieso nicht, weil es noch nie gegangen ist" vom Tisch wischen sollte.
Die Weiterentwicklung der Familie geht demnach also nicht in Richtung Versingelung und Ersatzfamilie. Vielmehr werden die bekannten Strukturen: Vater - Mutter - Kind und Großeltern - Eltern - Kinder - mit neuen Inhalten gefüllt.