Warum läßt Gott es zu, daß Menschen soviel Leid und
Elend erfahren müssen? Daß Flutwellen, Stürme und Hungersnöte
ganze Landstriche unserer Erde auf das Brutalste heimsuchen dürfen?
Daß Diktaturen, Terrorismus und Rassenhaß, Faschismus, religiöser
und ideologischer Fanatismus als Leitgedanken immer wieder Kriege und Gewalt
hervorrufen dürfen? Daß Krankheiten wie Krebs, AIDS, Hepatitis
und wie sie alle heißen mögen, die Menschheit geißeln
dürfen? Entspricht das alles dem Willen Gottes? Ist das die Art und
Weise, wie ein erzürnter Gott die Menschheit straft, oder ein gerecht
liebender Gott die Menschheit züchtigt? Oder ist es gar ein Teil von
Gottes Beschäftigungspolitik für den Menschen?
Modelle für Erklärungsansätze gibt es viele. Sie reichen von reinem Zufall über Schicksal, Vorherbestimmung und Kismet bis hin zur Strafe eines aufgebrachten, gerecht richtenden Gottes. Die Versuche Antworten auf diese Fragen zu finden sind so alt wie die Fragen selbst. Trotz unseres fortschrittlichen, hochtechnisierten und computerunterstützten Informationszeitalters könnte die geistige Dunkelheit auf diesem Gebiet aber größer nicht sein. Wagemutigen Forschern und Experten zum Trotz sind wir Stürmen, Trockenheiten, Wetterphänomenen wie El Nino sowie menschlichem Brutalismus (Kriege, Diktaturen....) und dem moralischen Zerfall, der unter dem Deckmantel der "Freiheit" hurtig voranschreitet, scheinbar hoffnungslos ausgeliefert.
Wer ist Gott?
Warum greift der Allmächtige nicht ein? Warum schweigt er? Wer ist Gott? Kann er nicht eingreifen oder will er nicht? Die Religionen sind uns bis heute schlüssige Antworten schuldig geblieben. Dagegen sind von wissenschaftlicher Seite zwar Beschreibungen derartiger Vorgänge, aber sicherlich keine ursächlichen Erklärungen zu erwarten. Die Gottesvorstellungen zwischen Christentum, Islam und den anderen Weltreligionen, haben, neben sicherlich einigen gemeinsamen Charakterzügen, doch sehr unterschiedliche, teilweise sogar rivalisierende Gottesbilder, Menschenbilder und Weltbilder geschaffen.
Selbst innerhalb des Christentums ist kein wirklich ernstzunehmender Fortschritt zu erkennen - auch nicht nach bereits jahrzehntelangen ökumenischen Vereinigungsbemühungen. Katholiken, Orthodoxe, Protestanten, neuchristliche Kirchen wie beispielsweise Mormonen und Zeugen Jehovas sowie noch neuere christliche "Sekten" sind hauptsächlich aus Spaltungen hervorgegangen. Von einem gemeinsamen Gottes- Menschen- und Weltbild kann also hier noch nicht gesprochen werden - waren doch gerade die unterschiedlichen Vorstellungen darüber der Grund für deren Aufspaltung. Genau genommen sind wir auch innerhalb der verschiedenen christlichen Bekenntnisse noch weit entfernt von einer einheitlichen Interpretation von Gut und Böse. Es sind die Details, an denen die Unterschiede so deutlich werden, daß sie einige Hundert verschiedene Bekenntnisse entstehen ließen. In unseren Landen suchen daher die zahlreichen Unzufriedenen ihre Antworten in meditationsbetonenden fernöstlichen Wiedergeburtslehren, in esoterischen Gefilden oder in ihrem Engagement in Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und dergl; sei es nun gemäßigt oder auch radikal.
Gott wurde der alleinigen Interpretation der Religionen überlassen. Aus Politik, Philosophie, Wissenschaft und Wirtschaft und oft auch aus der Kunst wird er fein säuberlich herausgehalten. Dort würde er auch nur stören. Religion ist, was Gott sich gemacht hat, also soll er auch selbst damit fertig werden. Politik, Philosophie, Wissenschaft, Wirtschaft und die Künste sind eine Angelegenheit des Menschen. Sie mit Religion vereinigen zu wollen ist eine mehr oder minder große, jedoch weitgehend akzeptierte Unmöglichkeit. Warum eigentlich?
Hat Gott nur den religiösen oder darüber hinausgehend den ganzen Menschen, die Tiere, die Pflanzen und das Universum geschaffen?
Falls es so ist, daß Gott alles geschaffen hat, sollte er dann nicht auch als der größte Wissenschaftler, Philosoph, Wirtschaftler, Politiker und Künstler in Betracht gezogen werden? Politiker suchen nach Wegen eines fruchtbringenden und friedlichen menschlichen Zusammenlebens. Das ist zweifellos sehr wichtig und es entspricht auch eindeutig dem innersten Wunsch des Menschen. Kann es aber gelingen ohne zu wissen woher der Mensch kommt, was er hier tun soll, was seinem gottgegebenen Wesen entspricht und wohin er schließlich geht? Ohne diese Eckfragen nicht bloß irgendwie, sondern "im Sinne des Erfinders" beantwortet zu haben, wird alle politische Mühe Stückwerk bleiben müssen. Sind Ethik und Moral Werte, die mit der Mode oder dem Zeitalter wechseln, oder gibt es so etwas, wie absolute Standards?
Was macht die Wissenschaft? Untersucht und katalogisiert sie nicht bereits Seiendes und Funktionierendes? (Zoologie, Botanik, Geologie, Meteorologe, Physik, Chemie...) Forschung ist doch nichts weiter - entschuldigen Sie, daß ich das einfach so sage - als bereits Bestehendes durchschauen und nachbilden zu wollen, indem man mit den gefundenen Ergebnissen gehörig experimentiert. Wer aber gibt die Regeln vor, die einerseits neue Perspektiven öffnen und wahren Fortschritt ermöglichen, andererseits aber genau den Rahmen abstecken, innerhalb dessen wir uns selbst und auch die innewohnende Harmonie der Umwelt nicht in Gefahr bringen? Vieles davon, was in Forschung und die Technik geschieht, ist sicher gut und wertvoll, aber so manches ist auch höchst hinterfragenswürdig.
Wie steht es mit den einzelnen Fachgebieten der Philosophie wie beispielsweise der Seinslehre (Ontologie), der Logik, der philosophischen Interpretation der Welt- und Menschheitsgeschichte, der Frage nach dem Wert unseres Daseins und unserer Beziehungen, der Frage nach der Art und dem Umfang menschlicher Verantwortung und all den anderen philosophischen Fachrichtungen? Ist die Wahrheit abhängig davon wie ein griechischer, mittelalterlicher oder moderner, ein fernöstlicher oder ein fernwestlicher Denker sie sieht, oder besteht sie unabhängig davon? Dreht sich die Erde erst um die Sonne seit Galiläi das entdeckte oder hat sie das schon vorher gemacht? Wie lange mußte sie sich bereits drehen, bis ein findiger Kopf das endlich erkannte? Und wie sehr wurde dieser, besonders von der Religion, seiner Entdeckung wegen, verfolgt?
Als Realisten müssen wir auch zugeben, daß unsere Wirtschaftssysteme noch weit davon entfernt sind perfekt zu sein. Allein die damit einhergehende Abfallproduktion (Müll) zeigt das. Die Natur ihrerseits erzeugt keine nennenswerten schädlichen "Endprodukte", etwa im Tier- oder Pflanzenwachstum, die dem Gesamten obendrein noch schaden. Pflanzen werden zu Humus, Tierkadaver werden von Aasfressern vertilgt, oder sie verwesen..... Alles wird wieder zurückgebildet - nichts bleibt als störender Restmüll (Sondermüll, Atommüll...) übrig.
Auch die bildenden und die darstellenden Künste sind nicht wirklich eine Erfindung des Menschen, sondern sie haben bereits vor dem Menschen bestanden. Um einen Sonnenuntergang oder eine schöne Frau malen zu können, müssen zuerst einmal ein Sonnenuntergang und eine schöne Frau da sein.
Welche Art von Gott ist Gott?
Natürlich kann ich sagen, daß es Gott nicht gibt. Am Anfang steht das Chaos, der Urknall, der Zufall oder was immer. Vielleicht gibt es diese Art Gott, den uns die Religionen vorzugaukeln versuchen, tatsächlich nicht, oder zumindest nicht in dieser Form. Dennoch sind Urknall und Chaos bereits Resultate und keine Ursachen. Die entscheidenden Fragen nach der Ursache, dem Sinn, Zweck und Ziel alles Seienden, können damit noch nicht beantwortet werden.
Ist es wirklich so klug die Themenkomplexe Gott, Gott-Mensch und Gott-Mensch-Natur der alleinigen Interpretation der Theologie und der Religion zu überlassen? Ist es überhaupt vorstellbar in Philosophie, Wirtschaft, Wissenschaft, den Künsten und der Politik die berühmte "Rechnung ohne den Wirt" machen zu können und damit auf Dauer auch noch "gut zu fahren"? Ist die Theologie, aufgrund ihrer geistbetonten Einseitigkeit, nicht geradezu prädestiniert ein einseitiges und unvollständiges Gottesbild zu liefern? Wenn Gott das Universum und den Menschen geschaffen hat, so muß er, wie gesagt, doch auch der größte Wissenschaftler, Wirtschaftler, Philosoph, Künstler und Politiker sein. Jedenfalls muß Gott ein Realist sein, wenn er die reale Welt erschaffen haben soll. Gott kann keinesfalls bloß als Sonntagsabwechslung zum Alltagsstreß erklärt werden.
Die Religionen sind in der Geschichte mit ihren unvollständigen und einseitigen Gottes- Menschen- und Weltbildern jedenfalls nicht sonderlich gut gefahren. Die Religionsgeschichten, vor allem die der sogenannten Eingottglauben (Judentum, Christentum und Islam), sind gekennzeichnet von Kriegen und Auseinandersetzungen mit oft besonderer Brutalität.
Unter welchen Bedingungen ist es möglich, eine "Gesamtvorstellung" von Gott zu erhalten?
Ist ein Ludwig van Beethoven erklärbar ohne seine Musik und die darin verpackten Empfindungen und Botschaften, (seine Sehnsüchte, Hoffnungen, Ideale, Motivationen,...) sowie seine Ausdrucksweise miteinzubeziehen? Sind ein Michelangelo oder ein Leonardo da Vinci erklärbar ohne ihre Arbeiten? Was bliebe von all den geschichtsprägenden Männern und Frauen in Politik, Religion, Kunst, Philosophie.... ohne deren Werke und Taten, Sehnsüchte, Hoffnungen, Motivationen und Vorgangsweisen zu erforschen und zu kennen?
Selbst unter Einbeziehung all ihrer Werke und Motivationen sind diese kreativen Persönlichkeiten nicht vollständig zu erklären. Würden wir aber deren Werke auch noch weglassen, würden wir dann nicht total im Dunkeln tappen? Wieso sollte es mit der Frage nach Gott anders sein? Ist es überhaupt möglich und denkbar Gott kennenlernen zu können, ohne sein Werk (die Schöpfung) und seine darin verpackten Empfindungen und Botschaften, (seine Sehnsüchte, Hoffnungen, Ideale, Motivationen,...) sowie seine Art sich auszudrücken miteinzubeziehen?
Die Rolle der Religionen
Ist es aus diesem Blickwinkel noch verantwortlich die Antwort auf die überaus wichtige Frage nach Gott der Einseitigkeit bestehender Religionen zu überlassen? Mit der Religion ist es wie mit dem Auge. Das Auge besitzt zweifellos die Fähigkeit das Licht zu sehen. Aber es wäre doch sehr unvollständig zu behaupten: das Licht sei nur für das Auge da, (oder Gott nur für die Religion). Was macht denn das Auge mit dem Licht? Es braucht das Licht nicht für sich selbst. Vielmehr macht es die Eigenschaften des Lichtes für den gesamten Menschen verfügbar. Es ist der Lichtspezialist, der nur dann seinen Zweck erfüllt, wenn er dem Gesamten dient. Auge und Licht ermöglichen mir beispielsweise gefahrlos eine Straße zu überqueren, den Sternenhimmel und das Abendrot zu beobachten, Farben und Formen zu erkennen und mit ihnen zu hantieren, ein Auto zu lenken und vieles andere mehr. Was könnte aber ein Auge getrennt vom dazugehörigen Körper mit dem Licht machen? Es könnte nicht viel über den Wert und den Sinn des Lichtes erfahren, weil es ohne Kontakt zum übrigen Körper nicht lebensfähig wäre. Gott und Religion stehen in einem ähnlichen Verhältnis wie Licht und Auge. Aber auch Pflanzen brauchen das Licht, obwohl sie keine Augen haben.
Achtung! Teilsichten führen zu Fehlinterpretationen
Das religiöse Gottesbild ist sicherlich ein Vorreiter, aber wenn Gott der Schöpfer des Universums, der Pflanzen, Tiere und Menschen ist, so muß er auch überall dort zu finden sein. Wieso also von vorne herein gar nicht dort suchen? Wir können uns letztlich überhaupt nicht leisten Gott aus der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Politik, den Künsten und der Philosophie einfach auszusperren und so zu tun, als gäbe es ihn dort nicht. Kann ich den Islam von Mohammed, den Donauwalzer von Johann Strauß, den zweiten Weltkrieg von Adolf Hitler oder das Christentum von Jesus Christus trennen? Ist das möglich? Kann ich ein Geschöpf ohne seinen Schöpfer erschöpfend erklären? Es wird nicht funktionieren.
Unser Zeitalter verlangt es mutig mit einer alt eingesessenen Tradition zu brechen und, wie man nicht nur in handwerklichen Kreisen zu sagen pflegt, "Nägel mit Köpfen" zu machen. Die Zeit des "Schwarzen Peter" Zuschiebens muß ein Ende haben. Wirtschaft, Wissenschaft, Philosophie, Kunst und Politik können nicht fortfahren den ganzen Fragenkomplex um Gott, Gott-Mensch und Gott-Mensch-Schöpfung der Theologie und der Religion zuzuschieben. Zumindest dürfen sie sich, wenn sie es dennoch tun, nicht wundern, wenn die Theologie ein für sie unvollständiges und unakzeptables Gottesbild, Menschenbild und Weltbild hervorzaubert. Der Trugschluß, daß Gott deswegen nicht existiert weil die Religionen ein unvollständiges Bild von ihm zeichnen ist genau so unzulässig als bloß zu sagen: Wir halten uns da besser heraus. Wenn Gott der Schöpfer und Urheber des Universums ist, kann ich ihn dann "heraushalten"? Wenn ich es aber dennoch mache, so muß ich mich von vornherein mit Stückwerkexpertentum und allen dazugehörigen Folgen zufrieden geben. Andererseits können die Religionen sich nicht vom Alltagsleben zurückziehen und so tun, als hätten sie mit der Theologie auch Gott gepachtet - einen Gott, der für uns allerdings erst nachdem wir das Jammertal des Erdenlebens durchlaufen haben so richtig zum Zug kommen soll.
Nur mit vereinten Kräften sind wir stark. Sollten nicht auch die unterschiedlichen Lebens- und Wirkungsbereiche in einer Zeit, in der die Welt zu einem globalen Dorf wird, näher zusammenrücken? Ist es nicht höchste Zeit das Gemeinsame und Verbindende von Religion, Wissenschaft, Wirtschaft, Philosophie, Politik und den Künsten zu suchen, das sich gegenseitig befruchten kann?
Ganz wesentliche Schritte in diese Richtung sind bereits gesetzt, auch wenn sich die Medien vielsagend darüber ausschweigen. Bitte informieren Sie sich beispielsweise über die überaus mannigfaltigen Aktivitäten der Vereinigungsbewegung in Religion, Philosophie, Wissenschaft, Wirtschaft, im menschlichen Zusammenleben, in der Bildung und in den Künsten. Hier dämmert eine echte Hoffnung. Verantwortung übernehmen und mitgestalten heißt die Devise. Einfach mit dem Finger auf die anderen zu zeigen ist zu wenig.
An der Schwelle zum neuen Jahrtausend
An der Schwelle zum neuen Jahrtausend sind auch neue, zukunftsweisende Schwerpunkte gefragt. Das Zeitalter des Individualismus ist ausgelaufen. Denken in größeren Zusammenhängen ist gefragt. Was bedeutet das? Das heißt: Jedes Individuum hat einen Ursprung, der aber, und das ist zu beachten, nicht innerhalb, sondern außerhalb des betreffenden Individuums liegt. Nichts und niemand hat sich selbst geschaffen. Wer von uns wurde schon gefragt ob, wann und wo er geboren werden möchte? Wer konnte sich sein Geschlecht, seine Eltern, seine Geschwister, seine Hautfarbe oder auch nur die Form seiner Nase oder die Farbe seiner Augen selbst aussuchen? Wer konnte selbst bestimmen gesund oder behindert das Licht der Welt zu erblicken? Wer weiß, wieviel Zeit er auf der Erde zur Verfügung hat? Die wichtigsten Dinge sind also bereits vorgegeben. Sie können von uns zwar entdeckt, aber nicht geändert werden. Weiters ist es auch eine bekannte Tatsache, daß nichts und niemand letztlich aus sich heraus existieren, produzieren oder leben kann. Wir brauchen dazu sowohl unsere menschliche als auch unsere materielle Umgebung.
Wir alle wissen, daß jedes Individuum bereits aus Systemen besteht und selbst Teil eines größeren Systems ist. Das Individuum Hans Müller beispielsweise besteht bereits aus einer ganzen Anzahl kleiner, kleinster und größerer Systeme. (Zellen, Organe, Sinne, Nerven usw.) Hans Müller ist aber gleichzeitig auch Teil übergeordneter Systeme - seiner Familie, seiner Verwandtschaft, seines Arbeitsplatzes, seiner Gemeinde, seiner Nation, seines Kulturkreises, ja, der Menschheitsfamilie. Jedes Individuum ist letztlich ein Teil des Systems: Gott - Mensch - Universum. Das ist das eigentliche Grundsystem aller Existenz.
Was geschieht, wenn Grundsysteme gespalten werden?
Grundsysteme sind ohne schwerwiegende Folgen nicht spaltbar. Dennoch hat diese Spaltung bereits an der Wiege der menschlichen Geschichte mit der Trennung Adams und Evas von Gott stattgefunden. Die ersten Menschen wurden als Folge davon aus dem Paradies vertrieben und mußten fortan in Leid und Schmerzen, getrennt und verlassen von Gott, weiterleben. Bis zum heutigen Tag erleben wir die unausbleiblichen Folgen dieser Spaltung tagtäglich in den überaus vielfältigen Spielarten von Gier, Gewalt, Zwiespalt und Egoismus. Ähnlich wie bei der Atomspaltung, bei der die für Lebewesen höchst zerstörerische und schwer zu bändigende Radioaktivität frei wird, (Cäsium 137, Strontium usw. sind vielen von uns aus der Zeit von Tschernobyl noch in bester Erinnerung), wurden auch durch die Spaltung der Gott-Mensch-Universum-Einheit die zerstörerischen Kräfte frei, die Haß, Neid, Eifersucht, Geiz, Gier, sexuelle Ausschweifung, Schadenfreude, Mißtrauen, Brutalität und alle anderen Formen von zerrütteter Moral bis heute erfolgreich am Leben erhalten. Diese Kräfte besitzen offenbar noch viel längere "Halbwertszeiten" als Cäsium und Strontium zusammen. Sie haben auf allen Ebenen Feinschaft, Mißtrauen und Zweifel gesät - zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern, Brüdern und Brüdern bis hin zu Völkern und Völkern. Sie haben so die Menschheit in Form von Engstirnigkeit, Krieg, Ausbeutung und Unterdrückung nachhaltig geschädigt. Wenn Heinrich Heine sagt: "Die Erde ist der große Felsen, woran die Menschheit, der eigentliche Prometeus, gefesselt ist und vom Geier des Zweifels zerfleischt wird", so beschreibt er genau diesen Zustand. Die Schädigung ist offenbar so überzeugend gelungen, daß sie heute allgemein akzeptiert wird. Man glaubt, all diese zerstörerischen Eigenschaften seien ein grundlegender Teil der menschlichen Natur und daher eines der Wesensmerkmale, die den Menschen erst zum Menschen machen. Was für ein fataler Irrtum.
Auf daß die Zukunft Zukunft hat
Die neuen Herausforderungen liegen heute unter anderem auch darin, der einseitigen materialistischen Weltsicht, die ja zur Zeit tonangebend in der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Politik, der Bildung usw. ist, ihre Einseitigkeit zu nehmen. Dazu muß sie so in das dazugehörige größere System eingebaut werden, daß es zu einem harmonischen Miteinander von Menschen, Völkern und Kulturkreisen, einem harmonischen Miteinander von Mensch und Umwelt und selbstverständlich auch zu einem harmonischen Miteinander von Gott - Mensch und Universum führt. Dadurch erst kann der wichtigste Kreislauf geschlossen und der folgenschwere Spaltungsfortgang beendet werden.
Religion, Wissenschaft, Politik, Philosophie, Wirtschaft, Bildung und die Künste sind natürlich in sich sehr komplexe Systeme. Aber sie sind letztlich auch nur Teile eines ihnen übergeordneten Systems. Sie erfüllen die Aufgabe, die einzelne Organe in einem Organismus erfüllen. So wie Geist und Körper in einer Einzelperson zusammen ein System bilden, so bilden auch die sichtbare und die unsichtbare Welt zusammen ein System. Schließlich bilden auch Schöpfer und Schöpfung ein System, das, wie bereits oben angeführt, letztlich nicht spaltbar ist.
Nur wenn die Entwicklung im neuen Jahrtausend in Richtung Gesamtsystem (Gott - Mensch - Universum) geht, wird Frieden möglich. Friede zwischen Mann und Frau, Eltern und Kindern, den Kindern untereinander, Familie und Familie, Volk und Volk, Hautfarbe und Hautfarbe, Mensch und Umwelt und schließlich auch Gott, Mensch und Universum.
Die Frage ist: Was sind die Grundmuster dieser Systeme? Wie viele solcher Grundmuster gibt es und wie sehen sie sowohl im einzelnen als auch im gesamten aus? Weiters müssen wir darüber bescheid wissen mit welchen Inhalten sie gefüllt sind und unter welchen Voraussetzungen sie entstehen und sich stabilisieren können? Was ist der durchgehende rote Faden, der Ursprung - Vergangenheit - Gegenwart - Zukunft und Ziel, der also den Sinn und dessen Verwirklichung miteinander verbindet?
Orientierung ist nicht eine Sache des Zufalls, sondern der Fixpunkte und ohne den Fixpunkt "Gott" ist ein Gesamtbild unmöglich. Warum? Weil ohne ihn die wesentlichsten Voraussetzungen für eine Orientierung, nämlich Ursprung und Ziel und die sich daraus ergebenden so wichtigen Fixpunkte wie Sinn, Zweck, Wert und Weg der reinen Spekulation des Menschen überlassen sind.
Das erinnert an die Zeit, in der man noch glaubte die Erde sei eine Scheibe und der Mittelpunkt des Universums, und die Sonne drehe sich um die Erde. Man ist damals von zwar sehr naheliegenden, letztlich aber von falschen Fixpunkten ausgegangen. "Naheliegend" ist also nicht gleichbedeutend mit "richtig".
Wir wissen heute, was sich durch die Erkenntnis, daß die Sonne der Mittelpunkt ist, um den sich die Erde dreht und daß selbst unser Sonnensystem nur ein kleiner Teil des Universums ist, alles geändert hat? Um wieviel mehr wird sich noch ändern, wenn wir den tatsächlichen Urheber der gesamten Schöpfung - Gott - ins Zentrum von Religion, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst, Philosophie und Bildung und unseres ganzen Lebens stellen können? Dann wird zum ersten Mal ein Gesamtbild möglich. Erinnern wir uns daran: Orientierung ist nicht eine Sache des Zufalls, sondern der Fixpunkte - der Fixpunkte des Gesamtsystems. Weniger ist letztlich ungenügend.
Möge Gott im neuen Jahrtausend nicht ein Fragezeichen, ein unverstehbares Mysterium, ein dogmatisches Gedankengebäude, ein Streit- oder ein Interpretationsobjekt sein, sondern persönlich von jedem und von allen erlebt werden.